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Spannung vor der Reisemesse ITB in Berlin

Von Christian Röwekamp, dpa

Berlin (dpa/tmn) - Die ganze Welt an einem Tag - das verspricht die Reisemesse ITB. Sie bietet virtuelle Ausflüge in Urlaubsländer rund um den Globus. Viel Aufmerksamkeit dürfte Polen als Partnerland 2011 erhalten. Auch auf Ägypten und Tunesien richten sich die Blicke.


Diesmal also Nordafrika. In den vergangenen Jahren ist die Reisemesse ITB in Berlin immer wieder von schweren Krisen geprägt gewesen, die den Tourismus erfasst hatten. Nach dem 11. September 2001 kamen die Anschläge von Madrid und der Tsunami im Indischen Ozean, später die Finanzkrise. 2011 dürfte die Lage in den von Unruhen geprägten Ländern Ägypten und Tunesien für viele Besucher im Vordergrund stehen - allerdings längst nicht für alle. Denn für Privatbesucher bleibt die (9. bis 13. März) eine gute Chance, sich generell über die Reisetrends zu erkundigen. Und auch viele Ziele vor der eigenen Haustür machen in Berlin auf sich aufmerksam.


Hans-Gustav Koch, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin, hatte sich schon auf eine ganz normale ITB gefreut: «Das Jahr lief für die Veranstalter und Airlines wunderbar an, alles war optimistisch.» Doch dann wurde es in Tunesien unruhig, später in Ägypten - «und nun haben wir ein Megathema, das wir uns alle nicht gewünscht haben.» Koch ist jedoch zuversichtlich, dass die Lage in Nordafrika die Messe nicht komplett überschatten wird. Die Reisebranche habe in den vergangenen zehn Jahren den Umgang mit solchen Krisen gelernt und könne professionell damit umgehen.


Der DRV-Manager geht davon aus, dass Tunesien und Ägypten trotz der Unruhen in ähnlicher Stärke wie 2010 auf der ITB vertreten sind. Besucher finden Tunesien in Halle 21b und Ägypten in Halle 23a.


Reisetrends lassen sich immer auch daran ablesen, wer wie viel Platz auf der ITB bucht. «Mittelamerika hat seine Ausstellungsfläche um 40 Prozent vergrößert, auch Kolumbien hat ordentlich zugelegt», erklärt Astrid Ehring von der Messegesellschaft. Eine hohe Nachfrage sei auch in den arabischen Ländern zu spüren gewesen. Nach längerer Pause wieder dabei sind mit Sierra Leone, der Demokratischen Republik Kongo sowie Sao Tomé & Principe auch drei Länder Afrikas, die trotz der Globalisierung der Reiseströme ihren touristischen Exotenstatus kaum aufheben werden. Neu ist außerdem, dass erstmals der Iran am Gemeinschaftsstand der Seidenstraßen-Länder beteiligt ist.


Viel Aufmerksamkeit bei den Besuchern dürften nach Ansicht der Messeleitung auch Technik-Themen erhalten. Neue touristische Apps für Smartphones werden an mehreren Ständen zu sehen sein. Eine davon ist das Projekt «dARsein» des Fraunhofer-Instituts in Darmstadt, das eine «erweiterte Realität» auf dem Display des Mobiltelefons zeigt. Wer die Handykamera auf eine historische Stätte richtet, bekommt von der App historische Aufnahmen und Skizzen dazu gezeigt. Das Darmstadt Marketing als Kooperationspartner des Instituts spricht von einem «magischen Blick in die Vergangenheit», bei dem die Software nahtlos das heutige Bild mit historischen Erläuterungen überblenden soll.


Moderne Technik will auch das Partnerland Polen bieten, das eine dreidimensionale Präsentation unter dem Motto «Move your Imagination» («Bewege Deine Vorstellungskraft») mitbringt. Zugleich will Polen auf eines der wichtigsten Sportereignisse des Jahres 2012 einstimmen, das auch viele Touristen anlocken soll: die Fußball-Europameisterschaft.


Neben Hightech-Projekten wird viel Traditionelles geboten: Folkloregruppen, Gewinnspiele und das Einsammeln von Reisebroschüren gehören zur ITB wie der Funkturm zum Messegelände. Trompeter, Tänzer und Trommler reisen aus Japan, Mexiko oder Andalusien an, die «Miss British Virgin Islands» wird am Stand ihrer Karibikinsel erwartet, und die Schweiz baut eine Anlage für «Alpengolfer» auf - die Schläger haben die Form eines Alphorns. Das Nachbarland Österreich will mit einem Original-Würstelstand aus Wien punkten, bringt aber zugleich mit Franz Raneburger einen Sternekoch mit, der am Samstag und Sonntag das ITB-Publikum verwöhnen soll.


Ob Kaiserschmarrn und die «Mattigtaler Forelle mit Endiviensalat» helfen, die Sorgenfalten mancher Messebesucher glattzuziehen? Ausblenden lasse sich die Lage in Nordafrika nicht, sagt DRV-Hauptgeschäftsführer Koch: «Wir haben Kunden vor den Reisebüros stehen, und uns gehen jetzt langsam die Zielgebiete aus. Das ist zwar ein Luxusproblem, aber es bleibt ein Problem.»


Auf der ITB dürfte trotzdem für alle Globetrotter etwas dabei sein. Das Urlauberverhalten sei inzwischen sehr «hybrid», sagt Koch und meint nicht nur die Zweiteilung in Spät- und Frühbucher. Immer mehr setzten sich Menschen, die «sinnstiftenden Urlaub» verbringen wollen, von den preissensiblen «Sonne-und-Strand-Urlaubern» ab. Doch egal, ob man in seinen Ferienwochen faul in der Sonne liegen oder als Mountainbiker, Taucher oder Bergwanderer neue Erfahrungen sammeln will - für beide Urlaubertypen dürfte es auch 2011 auf der ITB einiges zu sehen geben.


Infos

Zahlen und Tipps für ITB-Besucher Rund 11 000 Aussteller aus mehr als 180 Ländern: Die ITB in Berlin gilt als weltweit größte und wichtigste Reisemesse. In diesem Jahr treffen sich Touristiker und Urlauber zum 45. Mal in der deutschen Hauptstadt. Der Platz in den 26 Hallen des Messegeländes ist erneut ausverkauft. Hier Informationen der Messegesellschaft und Tipps für alle, die sich unter dem Berliner Funkturm über Reiseziele von Alaska bis Zypern informieren wollen: Termin: Eintrittspreise: Anreise: Geländeplan: G Webseite zur Messe i Informationen:

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