Interesse an Ökotourismus steigt auch in den USA Reisen mit Zügen werden in den USA wieder beliebter - nicht zuletzt, weil der hohe Ölpreis Autofahren und Fliegen teuer macht. (Bild: Amtrak/dpa/tmn) Von Christian Röwekamp, dpa Las Vegas (dpa/tmn) - Spritfresser auf den Straßen, Einweggeschirr in vielen Restaurants, den ganzen Tag brummen die Klimaanlagen: Die Eindrücke, die viele deutsche Urlauber aus den USA mitnehmen, haben bisher wenig mit Nachhaltigkeit und Ökotourismus zu tun.
Doch das könnte sich bald ändern: Initiativen für Ressourcen schonendes Reisen, die es auch in den USA schon lange gibt, bekommen im Moment mehr Aufmerksamkeit als früher. «Grüner Urlaub» avanciert zum Modethema, mit dem sich viele Anbieter touristischer Leistungen gerne schmücken. Auf der US-Reisemesse Pow Wow in Las Vegas war Ökotourismus ein Thema, über das viel geredet wurde. Wann sich auch die konkreten Urlaubseindrücke ändern, blieb aber offen.
Dass der US-Reiseverband TIA den nachhaltigen Tourismus sogar zum Thema der Kongress-Eröffnungsrede machte, zeigt, wie sich die Dinge derzeit verändern. Andrew Winston, Chef einer Beratungsfirma für Ökostrategien, verdeutlichte dabei, welchen Stellenwert etwa die Energieeffizienz von Produkten bei Verbrauchern heute hat: Noch immer seien zwar Qualität und Preis die wichtigsten Kriterien für eine Kaufentscheidung. Die sonst in den USA hoch gehandelte Bequemlichkeit aber verliere gegenüber «grünen» Kriterien an Bedeutung. «Firmen mit guter Umweltbilanz werden inzwischen bevorzugt, und die meisten Hochschulabsolventen würden gerne bei 'grünen Unternehmen' arbeiten», sagte Winston. Darauf müsse sich auch die Reisebranche einstellen.
Für mehr Ökotourismus könnte auch der Trend an den Tankstellen sorgen. Die USA sind traditionell ein Land der Autofahrer, doch bei Preisen von vier Dollar für eine Gallone (3,78 Liter) Benzin stöhnen viele auf - eine psychologisch wichtige Grenze wird gerade überschritten. Für Europäer ist das manchmal schwer verständlich, denn wegen des günstigen Wechselkurses kostet sie der Liter Sprit nur 68 europäische Cent, nicht einmal die Hälfte des Preises in Deutschland. Der Kostenvorteil wird zum Teil aber dadurch reduziert, dass viele Mietwagen in den USA einen hohen Spritverbrauch haben.
Dass Amerikaner und Urlauber jetzt massenhaft das Reisen per Auto einschränken, erwarten die US-Tourismusmanager zwar nicht. Allerdings beobachtet die Bahngesellschaft Amtrak, dass «das Bahnfahren wieder populärer wird, seit Benzin und Flugtickets so teuer geworden sind», sagte Vernaé Graham von Amtrak im kalifornischen Oakland. Von Oktober 2007 bis April 2008 seien die Passagierzahlen um elf Prozent gestiegen, «und wir sind jetzt sehr gespannt darauf, wie diese Entwicklung in der Hauptreisezeit im Sommer weitergeht». Noch sind die Ticketpreise für Fernzüge nicht erhöht worden. Eventuell wird es aber bald Aufschläge geben, «denn auch Diesel kostet jetzt mehr. »
Die Bewegung in Richtung Ökotourismus vollzieht sich vor allem im Kleinen. Immer häufiger bekommen Touristen zum Beispiel Solaranlagen auf Hoteldächern zu sehen. In Las Vegas erhalten Hotel-Neubauten zum Teil besonders reflektierende Fensterscheiben eingesetzt, um den Klimatisierungsbedarf im Inneren zu senken. Und die Skiresorts von Aspen und Vail in den Rocky Mountains erzeugen ihren Strom weitgehend selbst mit Hilfe großer Windkraftanlagen in den Bergen, erklärten Tourismusmanager aus dem Bundesstaat Colorado beim Pow Wow.
Viele Urlaubsregionen bemühen sich zudem darum, lokale Erzeugnisse in Restaurants in den Vordergrund zu rücken, um lange Transportwege zu vermeiden. Zugleich ergeben sich dadurch neue Besucherprogramme: «Unser Projekt 'Meet the farmers' wird immer populärer», beobachtet zum Beispiel Tim Zahner aus der Weinbauregion Sonoma in Kalifornien.
Auch bei dem Versuch, USA-Touristen überhaupt in eine Region zu locken, könnten «grüne» Faktoren künftig mehr Bedeutung haben. «Nur wenige Urlauber werden zwar ihr Reiseziel nach der Umweltbelastung auswählen», sagte Stephanie Smith von Colorado Tourism. «Aber wenn jemand die Wahl hat zwischen zwei Destinationen, dann geben die Umweltaspekte bei immer mehr Menschen mittlerweile den Ausschlag. »
In der US-Reisebranche habe das Thema Nachhaltigkeit inzwischen eine hohe Priorität, sagte TIA-Präsident Roger Dow in Las Vegas. In einer demnächst startenden Kampagne will der Verband den Betrieben zeigen, wo genau sie ansetzen und ihre Ökobilanz verbessern können.
Wie diese neue «grüne Welle» in den USA bei europäischen Touristen ankommt, lässt sich derzeit schwer abschätzen. «Das Thema wird den Deutschen nach allen Diskussionen über den Energieverbrauch der USA megaschwer zu vermitteln sein», erwartet Tilo Krause-Dünow, Chef des Nordamerika-Reiseveranstalters Canusa aus Hamburg. Das Plastikbesteck in den Restaurants und die allgemeine Wegwerfkultur passten nicht mit er neuen Haltung in Sachen Ökotourismus zusammen. «Ich bin mir aber sicher, dass sich auch dies in den kommenden fünf bis zehn Jahren ändern wird», so Krause-Dünow. Schließlich seien die Amerikaner schon mehrfach «vom einen Extrem ins Andere gewechselt».
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