Adrenalin pur: Abenteuerspielplatz für Erwachsene Skywalk in Oberstdorf: Erwachsene können dort im Abenteuerpark neben der Skisprungschanze ihre eigenen Grenzen überwinden. (Bild: dpa) Von Alexander Hauk, dpa Oberstdorf/Nürnberg (dpa) - Bundesweit gibt es rund 400 Freizeitsport-Seilgärten. Als einer der spektakulärsten gilt der Skywalk-Hochseilpark in Oberstdorf (Landkreis Oberallgäu), der zwischen den Schanzentürmen der WM-Skiflugarena angelegt wurde.
Die Anlage gleicht einem Abenteuerspielplatz für Erwachsene, mit Plattformen, Seilen, Baumstämmen, Hängebrücken, Wippe und Strickleiter in schwindelnder Höhe. «Die Burmabrücke verbindet die Groß- und die Normalschanze in 30 Metern», berichtet Peter Tümmers, Geschäftsführer der Anlagenbetreiber.
Mit weichen Knien steht Friedrich Dauberschmidt auf einer tellergroßen Plattform auf einem freistehenden Baumstamm und blickt neun Meter hinab. «Erst als ich bewusst in den Bauch geatmet habe, bin ich ruhiger geworden», wird der Manager später sagen, wenn er wieder festen Boden unter den Füßen hat. Der sogenannte Pamper Pole ist eine von mehreren Attraktionen. «Der Blick in die Tiefe verursacht eine Achterbahnfahrt der Emotionen», sagt Dauberschmidt. Adrenalin schießt durch den Körper, bei vielen Teilnehmern macht sich der Fluchtreflex bemerkbar.
«Das Spektrum in Hochseilgärten reicht von freudigem Genießen über körperliche Anstrengung bis hin zu Verkrampfung und Angstattacken», erklärt Diplom-Psychologe Niko Schad. Damit es im Skywalk- Hochseilpark nicht soweit kommt, werden die Teilnehmer im Gegensatz zu sogenannten Selbstbegeher-Hochseilgärten ständig von einem Trainer begleitet. In Oberstdorf gilt die Teamwippe als schwierigste Herausforderung. Zehn Leute müssen in mehreren Metern Höhe durch Gewichtsverlagerung einen dünnen Balken in Balance bringen. «Teamgeist ist gefragt. Niemanden im Stich zu lassen, ist eine der Ideen hinter den Übungen», sagt Tümmers, zu dessen Kunden oft Unternehmen sowie Event- und Marketing-Agenturen zählen.
Das bestätigt der Sozialwissenschaftler Prof. Werner Michl von der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg. «Es geht darum, als Team eine Gesamtleistung zu liefern und jeden individuell an seine Grenzen zu führen. » Die Herausforderungen und notwendigen Abstimmungen sollen die Teilnehmer zusammenschweißen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl schaffen. In Oberstdorf ist jeder Mutige mit einem Seil, einem Hochseilgurt und durch zwei Sicherheitsseile gesichert. Die Anlage wird regelmäßig amtlich kontrolliert.
Um die Sicherheitsstandards von Hochseilgärten zu verbessern, betreibt der Dachverband für Hochseilgärten, die «European Ropes Course Association», Unfallforschung. Frank Schweinheim, Geschäftsführender Vorstand des internationalen Verbandes mit Sitz in Hannover, hat in den vergangenen Jahren einen Wechsel beobachtet: «Während Seilgärten früher erlebnispädagogisch gearbeitet haben, gibt es heute einen Trend zur freizeitorientierten Nutzung durch Tagestouristen. »
Obwohl Hochseilparks höchste Konzentration und Körperbeherrschung abverlangen, sind gewöhnlich keine besonderen technischen oder sportlichen Voraussetzungen erforderlich. In Oberstdorf zum Beispiel reicht es, mindestens zwölf Jahre alt und fit zu sein. Für das ungefährliche Abenteuer können sich Gruppen ab fünf Personen anmelden. Erwachsene zahlen 44 Euro, Jugendliche 29 Euro Eintritt. Wer wie die Teilnehmerin Anke Noll einmal die Höhenangst überwunden hat, stellt schnell fest, dass es sogar richtig Spaß machen kann. Das Spiel mit den mentalen und körperlichen Kräften sei aufregend, so die Bankkauffrau: «Am Ende überwiegt das gute Gefühl, die eigenen Grenzen übersprungen zu haben. »
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