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Indien » Reiseberichte

Hütten, Villen, Kathedralen: Eine Rundreise durch Goa

Von Heike Sonnberger, dpa

Mumbai (dpa/tmn) - Goa hat nicht den besten Ruf, es ist verschrien als Hort der Kiffer und Gaffer. Doch wer mit dem Motorrad über Land fährt, begegnet noch dem Charme der alten portugiesischen Kolonie.


Mit dem Morgen bricht der Lärm über Mumbai herein. Am Prachtbahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus aus der britischen Kolonialzeit vermengen sich Pendler, Geschäftsleute und Reisende zu einem bunten Strom. Mit nur zwei Wochen Zeit wird man in einem solch riesigen Land nicht weit kommen. Was aussieht wie drei Zentimeter auf der Karte, sind zwölf Stunden im Zug. Aber man kann in zwei Wochen einige kleinere Runden drehen, von denen man mit Tausenden von Eindrücken zurückkehrt.


Eine dieser Runden führt von Mumbai schnurgerade an der Küste entlang nach Süden, nach Goa. Der winzigen Provinz haftet ein übler Ruf als Hotspot der Kiffer und Partygänger an. An den Stränden im Norden reisen junge Inder in Gruppen an, um Frauen aus dem Westen beim Sonnenbaden zu begaffen. Aber auch in Goa gibt es friedvolle Ecken, bezaubernde Landschaft und vor allem eine große Portion portugiesischen Kolonialcharme.


Am besten steigt man abends um elf in einen Nachtzug direkt nach Margao. Wer auf ein klimatisiertes Abteil verzichten kann, rollt sich in der Sleeper Class auf einer blauen Plastikpritsche zusammen. Zum Frühstück schenken Teeverkäufer würzig-süßen Chai in kleine Pappbecher.


Wer mittags in Margao ankommt, nimmt einen Bus nach Süden und von dort ein Taxi nach Agonda. Der Strand ist hier so lang und breit, dass man ihn gern mit ein paar anderen Touristen und heiligen Kühen teilt. In den Strohdächern der kleinen Holzhütten raschelt der Wind, und nachts rauscht die Brandung bis unters Mückennetz. In Ruhe kann man hier Sterne gucken und in den Wellen treiben. Oder in einem Korbstuhl unter den Nadelbäumen dösen.


Für einen Ausflug vermieten im Dorf viele Läden Scooter und Motorräder. Es geht entlang der Küste nach Norden, an Wasserbüffeln und Reisfeldern vorbei zu den überwucherten Ruinen des Cabo da Rama Forts und zu dem Ort Chandor.


Der Dorfplatz wird beherrscht von einer portugiesischen Villa. Auf einem der verschnörkelten roten Balkone sitzt eine alte Dame und wartet auf Besucher. Behutsam zieht sie das Tor in ihren Flügel des Hauses auf und fragt höflich, ob sie durch ihr Reich führen darf. Es ist ein Reich voll vergehender Pracht. «Diese chinesische Vase hat mein Großvater gekauft», erzählt die 90-Jährige. «Und in diesem Ballsaal habe ich als Mädchen getanzt.» Der Marmorboden schimmert im Licht der Kronleuchter so makellos wie die Silberteller nebenan.


Es geht weiter, drei Stunden Busfahrt bis zur Provinzhauptstadt Panaji. In den Vierteln Sao Tomé und Fontainhas schmiegen sich verspielte koloniale Fassaden aneinander, an einer Straßenecke flackern Kerzen vor der Statue eines katholischen Heiligen. Die Stadt ist eine ideale Basis für Ausflüge zu den grandiosen Kathedralen in Old Goa und zum Handwerkermarkt in Anjuna.


Die letzten paar Tage reichen gerade noch für einen Abstecher zu den Höhlentempeln von Ajanta und Ellora. Generationen von Mönchen und Arbeitern haben Klöster, Kapellen und Tempel aus dem Berg geschlagen. Oft umgarnt der Gesang tibetischer Pilger die mächtigen Säulen und schwingt in die dunkelsten Nischen.


Die zwei Wochen eilen ihrem Ende entgegen, es geht im Zug zurück nach Mumbai. Frühmorgens kriecht der senile Stahlwurm los und erreicht mittags den Chhatrapati Shivaji Terminus. Türmchen, Buntglas und verspielte Wasserspeier. Welcome back.


Infos

Goa Anreise:  Z Informationen: I

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