Mit dem Torfkahn durch das Teufelsmoor Das Teufelsmoor lässt sich prima im Sattel erkunden. In der Region gibt es mehr als 500 Kilometer Radwege. (Bild: dpa) Von Manuela Ellmers, dpa Osterholz-Scharmbeck (dpa) Sanft gleitet der schwarze Kahn durch das Wasser, der Motor summt leise vor sich hin. Am Ruder steht Torfkahnschiffer Hermann Lachmund in historischer Tracht. Er trägt schwarze Cordhosen und ein blau-weiß gestreiftes Hemd.
An Bord des «Weyerbarg» sind an diesem Tag gut gelaunte Touristen. Beeindruckt von der weiten Wiesen- und Moorlandschaft zwischen Worpswede und Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen lassen sie die Schilf bewachsenen Ufer der Hamme mit den unzähligen gelben Mummeln (Teichrosen) und dem üppig treibenden Beinwell (Heilpflanze) vorüberziehen. «Es ist so friedlich», sagt Ute Rohrmann aus Hannover. Das Ehepaar vom Niederrhein und die Gäste aus Ostfriesland nicken zustimmend.
Angesichts der Stimmung ist es schwer, sich die Mühsal der Moorbauern im Teufelsmoor vorzustellen. Sie transportierten einst mit den Torfkähnen den begehrten braunen Brennstoff ins rund 25 Kilometer entfernte Bremen. Damals hatten die Boote mit den charakteristischen braunen Segeln noch keinen Motor. Bei Windstille mussten sie gestakt oder getreidelt werden. «Über 600 Torfschiffe wurden von 1850 bis 1954 in Schlußdorf gebaut», sagt der Heimatvereinsvorsitzende Dieter Hornig. Der Verein rettete die kleine Werft vor dem Verfall und eröffnete ein Museum. Dort gibt es neben Arbeitsgeräten für den Bootsbau und den Torfabbau auch ein original Torfschiff. «Die Touristen schippern auf Nachbauten», sagt Hornig.
 Eine detaillierte Wanderkarte weist Touristen den Weg durch das Naturschutzgebiet. (Bild: dpa) Das stört hier niemanden. Einige Besucher klettern nach der Torfkahnfahrt in den nostalgischen «Moorexpress», um weiter gemütlich mit der Bahn durch das Teufelsmoor zu fahren. Das sagenumwobene, heute weitestgehend kultivierte Moor verdankt seinen Namen dem unfruchtbaren Land. Aus «doves» (taubes) Moor wurde im Sprachgebrauch «Düvelsmoor», Teufelsmoor.
Die staatliche Moorkolonisation begann Mitte des 18. Jahrhunderts unter Jürgen Christian Findorff. Das heißt, es wurden Dörfer und Gräben angelegt, Entwässerungskanäle ausgebaut und in schiffbare Kanäle zusammengeführt. Für die Bauern war die Torfgewinnung der wichtigste Broterwerb. «Den ganzen Mai über wurde der Torf gestochen, dann wurden die Soden zum Trocknen aufgeschichtet und im Herbst nach Bremen gebracht», sagt Werner Otten. «Das war schwere körperliche Arbeit. » Der 77 Jahre alte Rentner, der noch selbst Torf gestochen hat, gibt sein Wissen jetzt an Touristen weiter. Im Dorfgemeinschaftshaus Südwede können sie das «Torfsteeker-Diplom» erwerben.
Mit fortschreitender Kultivierung wandelte sich das Gesicht des Teufelsmoores. Ausgedehnte Grünländereien prägen heute das Landschaftsbild. Der Torfabbau spielt nach Angaben des Landkreises nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Reste des einst größten Moorkomplexes aus Hoch- und Niedermooren in Nordwestdeutschland finden sich noch an verschiedenen Stellen in den Naturschutzgebieten. Sie können auf schmalen Pfaden bei geführten Wanderungen der Biologischen Station Osterholz (BioS) erkundet werden. «Wir gehen raus aus der «Kulturlandschaft» und rein in die «neue Wildnis»», sagt Hans-Gerhard Kulp von der Station.
 Früher wurde im Teufelsmoor hart gearbeitet - heute ist die Region nordöstlich von Bremen Ziel für Erholungssuchende. (Bild: dpa) Viele Touristen steigen auch aufs Rad, um die Region zu erkunden. Der Landkreis Osterholz verfügt insgesamt über 500 Kilometer Radwege mit zahlreichen Tourenvorschlägen wie dem rund 23 Kilometer langen Rundweg «Auf Findorffs Spuren». Im vergangenen Jahr verzeichnete die Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser nach Angaben ihres Geschäftsführers Karsten Schöpfer mehr als 67 000 Gästeankünfte.
Gästeinformation für Worpswede/Teufelsmoor, Bergstr. 13, 27726 Worpswede, Telefon: 04792- 935820.
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