Immer mehr Selbstbedienung auf Flughäfen Einchecken per Klick: Statt eines Papiertickets brauchen Flugreisende bald nur ihren Buchungscode. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn) Von Tobias Schormann, dpa Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Die Tage des Papiertickets sind im Luftverkehr gezählt: Vom 1. Juni an erhalten Fluggäste nur noch elektronische Tickets. Kunden soll das zum Beispiel das Einchecken am Flughafen erleichtern.
Dass die neue Technik aber alles einfacher macht, bezweifeln Verbraucherschützer. Denn die Umstellung hat auch Schattenseiten: Durch den Trend zur Selbstbedienung bleiben Reisende bei der Abfertigung öfter sich selbst überlassen, fürchten Experten.
«Mit elektronischen Tickets sind Kunden flexibler als früher», sagt Jan Bärwalde von der Lufthansa in Frankfurt. Passagiere könnten im Internet, per Handy und an Automaten einchecken. Ihre Bordkarte drucken sie zu Hause oder an dem Automaten aus, an dem sie auch ihr Gepäck aufgeben. Wer nur mit Handgepäck reist, geht direkt zum Flugzeug. «Dabei muss man aber genug Zeit für die Sicherheitsschleuse einrechnen - da sind die Schlangen zu Stoßzeiten oft sehr lang. »
Mit einem elektronischen Ticket seien Fluggäste außerdem flexibler als früher, weil sich Umbuchungen bequemer und einfacher im Internet vornehmen ließen, sagt Onuora Ogbukagu von der Tuifly in Langenhagen bei Hannover. Zudem könne es nicht mehr passieren, dass Passagiere ihr Ticket verlieren und dann nicht abfliegen können. Als Nachweis beim Einchecken benötigen sie künftig nur noch die Buchungsnummer. «Und wenn man die vergessen hat, reicht notfalls auch der Ausweis - die Flugdaten sind ohnehin im Computer gespeichert», sagt Ogbukagu.
Verbraucherschützer sind weniger begeistert. «Die Technik macht vieles auch komplizierter statt komfortabler», sagt Heidi Tischmann von der Schlichtungsstelle Mobilität in Berlin. «Es gibt ja immer noch Menschen, die keinen Internetzugang zu Hause haben. » Auch sei fraglich, ob Automaten beim Check-in wirklich Zeit sparen: «Wenn viel los ist, steht man dann eben nicht mehr am Schalter an, sondern am Automaten. Und das kann sogar länger dauern, weil man da noch selber seine Daten eingeben und die Aufkleber am Koffer anbringen muss. » Oft sei es eine «Mogelpackung», wenn Selbstbedienung als Service angepriesen werde. «Im Klartext heißt das ja nur, dass mehr Verantwortung auf den Passagier abgeschoben wird», sagt Tischmann.
In Zukunft dürfte sich der Trend zum Einchecken in Eigenregie noch verstärken. «Die Entwicklung geht dahin, dass Passagiere vom Check-in über die Gepäckaufgabe bis zum Boarden alles alleine machen können», sagt Martin Gaebges vom Verband der ausländischen Fluglinien in Deutschland (Barig) in Frankfurt. Langfristig werde es weniger Personal und dafür mehr Automaten geben. «Das Ziel sind zwar keine menschenleeren Terminals, aber eine Automatisierung so weit wie möglich. » Weniger Personal bedeute aber immer ein Weniger an Service, kritisiert Verbraucherschützerin Tischmann: «Die Betreuung durch menschliche Servicekräfte können Automaten eben nicht ersetzen. »
Wer beim Abflug persönlich bedient werden möchte, könnte dafür künftig sogar extra zur Kasse gebeten werden. Der Billigflieger Ryanair hat das vorgemacht: Dort müssen Fluggäste vier Euro zusätzlich zahlen, wenn sie am Schalter einchecken wollen.
«Bei den Passagieren kommt die Umstellung insgesamt aber sehr gut an», sagt Lufthansa-Sprecher Bärwalde. Einige Gelegenheitsflieger hätten zwar noch Hemmungen, die neue Technik zu nutzen. Für sie stünden derzeit aber Mitarbeiter an vielen Flughafen bereit, die erklären, wie beispielsweise die Check-in-Automaten funktionieren.
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