Im Kärntner Hochgebirge zum «Fußballgott» beten Zu Füßen der Roten Wand liegt die sogenannte Schütt. An dieser Stelle ereignete sich im Jahr 1348 ein besonders schwerer Bergsturz. (Bild: Röwekamp/dpa/tmn) Von Christian Röwekamp, dpa Villach (dpa/tmn) - Manchmal hilft für Fußballfans nur noch Beten. Das wird auch im Juni während der EM in Österreich und der Schweiz nicht anders sein. Wohl dem, der dann gute Kontakte «nach oben» hat.
Auch die Anhänger der deutschen Nationalelf könnten dabei - falls es nötig wird - etwas nachhelfen, indem sie zu Europas höchstgelegener Wallfahrtskirche pilgern. Sie ist westlich des EM-Spielortes Klagenfurt auf dem 2167 Meter hohen Dobratsch-Gipfel bei Villach zu finden, der auch Villacher Alpe genannt wird. Selbst wenn die Gebete unerhört bleiben sollten: Der Blick vom Berg auf halb Kärnten herab ist die Anstrengungen wert.
Villach liegt im Tal der Drau, der Höhenunterschied zwischen Stadt und Gipfel beträgt gut 1600 Meter - eine stattliche Tour für diejenigen, die das zu Fuß angehen wollen. Für alle anderen gibt es die Villacher Alpenstraße, auf der Auto- und Motorradfahrer bis auf eine Höhe von 1732 Metern vorstoßen können. Erst dort gilt es die Wanderstiefel zu schnüren. Wer es eilig hat, rauscht die Straße in einem Rutsch durch. Unterwegs lohnen aber Stopps an interessanten Orten.
 Unübersehbarer Zielpunkt für die Wanderer: Die Fernsehantenne am Gipfel der Villacher Alpe ist sogar höher als der Kölner Dom. (Bild: Röwekamp/dpa/tmn) Parkplatz Nummer vier etwa bietet einen guten Überblick über die sogenannte Schütt, das Gebiet eines verheerenden Bergsturzes im Jahr 1348. Damals hatten Hochwasser und Kältewellen das Gebirge aufgeweicht und zerklüftet. Ein schweres Erdbeben im Raum Villach mit insgesamt rund 500 Toten sorgte dann dafür, dass ein großer Teil des Berges in die Tiefe stürzte und mehrere Dörfer unter sich begrub.
Das Wetter am Dobratsch ist auch heute noch rau: Durchschnittlich 194 Tage mit Frost im Jahr gibt es am Gipfel, der fast sieben Monate unter Schnee liegt. Diese Bedingungen führen auch dazu, dass der Alpengarten am 1483 Meter hoch gelegenen Parkplatz Nummer sechs nur drei Monate lang für Besucher geöffnet ist: Saison ist von Juni bis August. Beschnuppern lassen sich rund 800 Arten von Bergpflanzen aus drei Klimazonen.
Die eigentliche Pilgertour beginnt an der Rosstratte, etwa 430 Höhenmeter sind von hier aus noch zu meistern. Schatten gibt es unterwegs leider keinen, und das graue Geröll rutscht rasch unter den Bergstiefeln weg. Es lohnt sich aber, immer wieder anzuhalten und den Blick weg vom Gipfelziel in Richtung Tal zu lenken: die Drau und die Julischen Alpen, Villach und der Wörthersee, der Ossiacher und der Faaker See - all das liegt den Wanderern zu Füßen.
 Nicht weit entfernt vom Gipfelkreuz liegt am höchsten Punkt der Villacher Alpe auch die Wallfahrtskirche Maria am Stein (im Hintergrund). (Bild: Röwekamp/dpa/tmn) Nach gut 90 Minuten Aufstieg ist das Wallfahrtsziel erreicht. Direkt unterhalb des Gipfels liegt eine Schutzhütte, in der Brezeln und Erbsensuppe serviert werden. Die kleine Kirche Maria am Stein wurde bereits 1692/93 errichtet. Altar, Mauern und Holzbänke leiden schwer unter den harten Wintern und der hohen Luftfeuchtigkeit, immer wieder muss ausgebessert werden.
Mariä Himmelfahrt, der Tag der Kirchweihe 1693, ist bis heute der wichtigste Festtag auf dem Dobratsch - auch dieses Jahr werden wieder viele Kärntner zur höchstgelegenen Wallfahrtskirche Europas pilgern. Dass dann viele ausländische Fußballfans dabei sind, darf bezweifelt werden. Denn die EM ist dann schon Geschichte - und damit dürfte es nur wenigen Touristen noch ein großes Anliegen sein, ausgerechnet in Kärnten den «Fußballgott» gnädig stimmen zu wollen.
Informationen: Villacher Alpenstraßen Fremdenverkehrsgesellschaft, Telefon von Deutschland: 0043/662/873 67 30; Kärnten Werbung, Casinoplatz 1, A-9220 Velden Telefon von Deutschland: 0043/463/30 00
 Rund 800 Bergpflanzen aus drei Klimazonen: Der Alpengarten an der Villacher Alpenstraße ist nur in den Monaten Juni bis August geöffnet. (Bild: Röwekamp/dpa/tmn)
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