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Landtourismus: Traktor fahren, Tiere streicheln

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Ponys streicheln - für Städter kann das ein ganz besonderes Erlebnis sein. (Bild: ZB-Funkregio Ost)

Von Grit Büttner, dpa

Lischow (dpa) - Der Weg ins bäuerliche Paradies führt über die Bahnstation Hagebök bei Vogelsang, ganz in der Nähe zur mecklenburgischen Ostseeküste. Von dort gelangen gestresste Städter per Kutsche zum Landgut Lischow in Nordwestmecklenburg.


Auf knapp 600 Hektar baut Wiedereinrichter Christian Schröder zusammen mit Frau und zwei Söhnen Raps und Getreide an und züchtet Trakehner. «Damit sich die Pferde rechnen, nehmen wir Touristen auf», erklärt der 67- jährige. 50 Gästebetten gibt es auf dem weitläufigen Gut. «Kein Luxus, dafür familiär und urig. » Gratis bekommt der Besucher viel Wissen über Landschaft und Landwirtschaft, denn Bauer Schröder erzählt bei Kremserfahrten und Ausritten gern über Wald und Flur, Geschichte und Architektur, Pflanzen und Pferde der Region.


Der Nordosten gehört beim Urlaub auf dem Bauernhof zu den beliebtesten Zielen in der Republik, berichtet Schröder, der auch Vorstandsmitglied im Verein Landurlaub Mecklenburg-Vorpommern ist. Nach Vereinsangaben machte der Landtourismus mit knapp zwei Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr einen Anteil von acht bis zehn Prozent aller Gästebuchungen aus. Damit habe das Agrarland zwischen Elbe, Oder und Ostseeküste die Länder Bayern und Baden-Württemberg auf die Plätze verwiesen, heißt es im Norden. Der Grund sei die Kombination aus Meer, Natur, faszinierend großen Feldern und passender Infrastruktur mit einem Netz von Rad- und Reitwegen von Tausenden Kilometern Länge. «Der Tourismus ist auch auf unserem Landgut zum gleichrangigen Betriebszweig geworden», sagt Christian Schröder.


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Bevor der Ausritt losgehen kann, muss der richtige Sitz des Zaumzeugs kontrolliert werden. (Bild: ZB-Funkregio Ost)

Landurlaub sei Trend und weit mehr als nur ein Zubrot für die Bauern, sagt Frank Wetterich, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland in Berlin. Bundesweit böten Schätzungen zufolge etwa 25 000 Landwirte Ferienunterkünfte an. Jeder 14. Bauer arbeite damit auch im Tourismus. Fast die Hälfte dieser Höfe erwirtschafte im Fremdenverkehr mehr als ein Viertel ihres Einkommens.


2007 stieg die durchschnittliche Bettenbelegung auf rund 150 Tage an. Derzeit sei ein Strukturwandel hin zu mehr Professionalität zu beobachten, so Wetterich. «Die Gäste werden immer anspruchsvoller. » Das Bett im Kornfeld oder auf dem Heuboden reiche nicht mehr aus. Laut einer Umfrage haben acht von zehn Anbietern ihre Domizile nach den Sterne-Kategorien des Tourismusverbandes klassifiziert.


Für die Urlauber müssten die Bauern erhebliche Investitionen tätigen. «Das kann niemand aus der blanken Not heraus», betont Wetterich. Der Standort müsse passen und die Bauern müssten Spaß am Kontakt mit den Menschen haben. «Landwirte vermitteln so auch Begeisterung und Wertschätzung für die eigenen Produkte. » Da die wenigsten Leute Agrarwirtschaft noch aus eigenem Erleben kennen würden, stiegen Informationsbedarf und Neugier. Gefragt sei aber kein Schulbuchwissen, sondern wirkliches Erleben der Betriebe, meint Wetterich. «Bauernhof-Ferien bekommen Eventcharakter. » Um die «Erlebnisqualität» der Angebote zu zertifizieren, will die Bundes-AG jetzt ein neues Siegel für Bauern- und Reiterhöfe, Gemüse- und Obstbauern, Winzer und Fischer einführen.


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Reitausflug vor idyllischer Kulisse - unterwegs in einer Allee in der Nähe des Landguts Lischow. (Bild: ZB-Funkregio Ost)

Bereits heute seien der Kreativität der Landwirte kaum noch Grenzen gesetzt. Milch- und Hofläden, Naturpfade, Maislabyrinthe, Kletterwälder, Pferde-, Kutsch- und Wanderreithöfe lockten ebenso wie die Möglichkeit zum Anpacken: Kälber füttern, Traktor fahren, Wein lesen oder Stall ausmisten machten den Gästen die Landwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes begreiflich. «Das bringt dem Bauern zwar keine wirkliche Hilfe, ist aber ein Service für den naturhungrigen Städter», weiß Wetterich. «Die Gäste wollen keine Kulisse, sondern echte Betreuung und persönliche Ansprache selbst während der Ernte. Das macht viel zusätzliche Arbeit. »


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