Kreuzfahrt auf der Kaimauer: Viele Termine für Seh-Leute Volksauflauf am Grasbrookkai: Wenn die «Queen Mary 2» nach Hamburg kommt, strömen die Schaulustigen meist in Scharen zum Hafen. (Bild: Bahn/dpa/tmn) Von Uwe Bahn, dpa Hamburg (dpa/tmn) - Seeleute sind die, die aufs Meer hinausfahren. Seit der Kreuzfahrtboom in Deutschland auf vollen Touren läuft, gibt es aber auch eine andere Spezies: Menschen, die den Seeleuten dabei zuschauen.
Für sie wurde ein neuer Begriff gefunden: Seh-Leute. Sie sind die «Trockenpassagiere», die an der Kaimauer zurückbleiben, wenn das Schiff ablegt. «Cruise-Watching» liegt im Trend und ist fast schon ein kulturelles Ereignis geworden. Auch im Jahr 2008 werden in den deutschen Seehäfen wieder viele Kreuzfahrt-Ereignisse zelebriert.
Im Juli 2004 mit dem Premierenbesuch der «Queen Mary 2» in Hamburg begann der Trend: Mehr als 400 000 Menschen standen an den Böschungen der Elbe und empfingen die «Königin der Meere». Der erste Hamburg-Besuch wurde zur Spalierfahrt des Cunard-Oceanliners. Seitdem ist die «QM 2» ein Teil des Stadtbildes der Hansestadt, eine Art «fahrender Michel». Im April 2007 erlebte der Hamburger Hafen einen weiteren Höhepunkt: die Taufe der «Aidadiva». Das Multimediaspektakel des Lichtkünstlers Gert Hof verfolgten fast eine halbe Million Seh-Leute an der Elbe, dazu kamen vier Millionen «Fern-Seher» zu Hause am Bildschirm - eine Rekordquote.
 Deutschlands am häufigsten angelaufener Kreuzfahrthafen: In Kiel machen in diesem Jahr 125 Schiffe fest. (Bild: Bahn/dpa/tmn) Nun sind die Superlative im Hamburger Hafen fast verbraucht, denn auch das größte Passagierschiff der Welt, die «Freedom of the Seas», war schon da. Für dieses Jahr haben sich die hanseatischen Marketingköpfe etwas Neues ausgedacht: die «Hamburg Cruise Days 2008» vom 30. Juli bis 2. August. In diesem Zeitraum werden sieben Schiffe den Hamburger Hafen besuchen, darunter die «Astor», die «Aidaaura», die «Deutschland», die «Columbus» und die «Queen Mary 2». Insgesamt verbucht Hamburg in dieser Saison 59 Kreuzfahrtanläufe.
Bei dieser Zahl würde im Kieler Hafen sofort ein Krisenstab tagen: Mit dem Rekordergebnis von 125 Schiffsanläufen stellt Kiel die Konkurrenz von der Elbe deutlich in den Schatten - und das ohne den deutschen Kreuzfahrtmarktführer Aida Cruises, der als Basishäfen für dieses Jahr erneut Hamburg und Rostock-Warnemünde ausgewählt hat.
Mit dem neuen Cruiseterminal Ostseekai, an dem zwei Großschiffe mit 280 und 360 Meter Länge liegen können, bietet die Ostseestadt Kiel ideale Bedingungen. Am Bollhörn- und Norwegenkai ist Platz für weitere Kreuzfahrer. Und so können dieses Jahr die Seh-Leute häufig fünf Passagierschiffe auf einmal im Kieler Hafen bestaunen - am 22. Juni beispielsweise die «Vistamar», die «MSC Lirica», die «Costa Victoria», die «Columbus» und die Norwegen-Luxusfähre «Color Magic».
 Besuch in der Heimat - auch in diesem Jahr wird die «Deutschland» dreimal nach Travemünde kommen. (Bild: Bahn/dpa/tmn) Als größter deutscher Nordseehafen glänzt Bremerhaven mit stolzen 97 Schiffsanläufen in diesem Jahr. Allein 20 Mal läuft der Bremer Lokalmatador Transocean Tours mit seinen Schiffen «Astor», «Astoria» und dem Neuzugang «Marco Polo» das Columbus Cruise Center an.
Ganz im Zeichen der neuen «Aidabella» steht der Hafen Rostock-Warnemünde. Nach einem «Anstandsbesuch» in Hamburg am 15. April wird das neue Clubschiff am 23. April an der Ostsee getauft werden - diesmal ohne flammendes Inferno wie beim Schwesterschiff «Aidadiva», sondern in einer sparsameren Variante. Blickfang soll - neben dem Neubau - die prominente Taufpatin sein: Das Model Eva Padberg wird dem Schiff die «Handbreit Wasser unter dem Kiel» wünschen. Erstmals können die Passagiere auch die Taufzeremonie an Bord mitbuchen, ehe sie mit der «Aidabella» zur Jungfernfahrt in See stechen.
Die Reederei Peter Deilmann aus Neustadt/Holstein hält der Lübecker Bucht die Treue. Dreimal wird das Traumschiff «Deutschland» in Travemünde zu Gast sein. Trotz des neuen Abfertigungsterminals am Ostpreußenkai, kommt der Hafen auf gerade mal 16 Schiffsanläufe.
 Die «Aidadiva» ist 2008 zwar nicht in Hamburg zu Gast, dafür aber ihr Schwesterschiff «Aidabella» und die «Aidaaura». (Bild: Aida Cruises/dpa/tmn) Ähnlich übersichtlich sind die Zahlen in Cuxhaven. Dort listet die Stadt auf ihrer Webseite fünf Anläufe für dieses Jahr auf. Bezeichnenderweise kommen mit der «Columbus» und der «Hanseatic» nur Hapag-Lloyd-Schiffe. Am 22. Januar 1891 schickte Hapag-Vorstand Albert Ballin mit der «Augusta Victoria» das erste Kreuzfahrtschiff aufs Meer hinaus - und in Cuxhaven begann die Reise.
Heute wirken Cuxhavens Steubenhöft-Terminal und die historischen Hapag-Hallen wie ein Relikt aus alter Zeit - als sei die Passagierschifffahrt Vergangenheit. Die anderen Häfen investieren in die Zukunft. In Hamburg soll 2009 ein zweiter Kreuzfahrtterminal im Altonaer Fischereihafen eröffnet werden. Dann erwartet die Hansestadt noch mehr See - und vielleicht auch noch mehr Seh-Leute.
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