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TravelingWorld » Reisenews » Reiseberichte » Inseln auf dem Trockenen: Hollands Provinz Flevoland

Niederlande » Reiseberichte

Inseln auf dem Trockenen: Hollands Provinz Flevoland

Von Bernd F. Meier, dpa

Lelystad (dpa/tmn) - Nur wenige Meter lässt Cor Wisse sein Fahrrad hinab rollen. «Und schon sind wir auf dem Meeresgrund der ehemaligen Zuiderzee angekommen», erklärt der Museumsführer von Schokland im Noordoostpolder den Besuchern.


Die geraten erst mal ins Staunen - vor ihnen liegt weites grünes Land. Schokland war gestern, Flevoland ist heute: Die ehemalige Insel Schokland liegt seit 1942 buchstäblich auf dem Trockenen. Zehn Jahre zuvor wurde die letzte Lücke des 30 Kilometer langen Abschlussdeiches im Norden der Niederlande geschlossen, aus dem ehemaligen Nordseearm Zuiderzee wurde das Süßwassergewässer Ijsselmeer.


In den Folgejahren bis 1968 entstanden durch Eindeichungen die drei Polder Noordoost, Ost- und Südflevoland. Mit ihnen rangen die Niederländer dem Ijsselmeer riesige neue Landflächen ab, Hollands zwölfte Provinz Flevoland.


«Wir sind ganz jung und auch sehr alt», erklärt Cor Wisse, während er per Fahrrad mit den Gästen zur Rundtour auf Schokland startet. Die Geschichte des gerade mal fünf Kilometer langen und 500 Meter breiten ehemaligen Eilands beginnt 3600 Jahre vor Christi Geburt. «Das konnten Archäologen durch die Entdeckung von Fußspuren feststellen.» Über viele Generationen waren die bis zu 700 Bewohner der drei kleinen Dörfer auf Schokland den Gefahren von Wetter, Wind und tosenden Wassern ausgesetzt.


Heute ist Schokland eine Museumsinsel und kam 1995 als erstes niederländisches Monument auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Das winzige Dorf Middelbuurt mit der kleinen Kirche und der ehemalige Hafen Oud-Emmeloord wurden behutsam rekonstruiert.


Nicht annähernd so alt wie Schokland, doch für Flevoland ebenso geschichtsträchtig ist die ehemalige Fischerinsel Urk an der Ijsselmeerküste. Das Städtchen wurde 1941 erstmals mit dem Festland verbunden. Damit änderte sich vieles für die Urker, die an den jahrhundertealten Traditionen festhalten. Viele Geschichten aus dem Leben der Fischer erfahren die Besucher beim «Ginkiestocht», dem Gassen-Gang durch das alte Dorf. «Manchmal fühlen wir uns ein wenig wie in einem Museum», meint Jaap Bakker während des Bummels vorbei an den kleinen Fischerkaten mit den dunkelgrün bemalten Giebeln.


Auf der Anhöhe Wijk stehen die Häuser dicht an dicht gedrängt. Jeder Quadratmeter kostbaren Bodens wird genutzt, große Gärten sucht man vergebens, stattdessen verschönern die Urker ihre Häuser mit üppigem Blumenschmuck. Besonders beeindruckend sind die Rundblicke vom 18 Meter hohen, weißen Leuchtturm. Im Sommer können Besucher über eine schmale Wendeltreppe hinaufsteigen zum Leuchtfeuer und der winzigen Aussichtskanzel.


Für Freunde moderner Architektur ist der Abstecher nach Almere ein Muss: Das Zentrum glänzt mit den Bauten bedeutender Architekten unserer Zeit, darunter David Chipperfield, René van Zuuk, Christian de Portzamparc und Rem Koolhaas. Bei Architekturführungen wird Besuchern das Zentrum der wachsenden Stadt mit heute knapp 200 000 Bewohnern erläutert. Die ersten Einwohner kamen vor gerade mal 34 Jahren nach Almere: 500 Menschen siedelten sich 1976 auf dem neuen Land an, das kurz zuvor noch Meeresgrund war.


Niederländisches Büro für Tourismus, Postfach 27 05 80, 50511 Köln, E-Mail: info@niederlande.de.


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