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Kreuzfahrt auf Probe: Immer mehr «Schnupperreisen»

«Schnupperreisen» auf dem Meer
Auf den Fähren von Color Line können die Gäste im Liniendienst zwischen Kiel und Oslo ein Kreuzfahrtambiente erleben. (Bild: Bahn/dpa/tmn)

Von Uwe Bahn, dpa

Hamburg/Bremen (dpa/tmn) - Nie zuvor gab es so viele deutsche Kreuzfahrtpassagiere: Die Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht. Aber es ist noch reichlich Luft nach oben: Nicht mal ein Prozent der Bevölkerung buchte bisher einen Urlaub auf See.


Die Alternative zu den Festland-Ferien hat sich längst noch nicht überall herumgesprochen. Reedereien und Kreuzfahrtanbieter locken nun verstärkt Neulinge an Bord - mit «Schnupperkreuzfahrten».


Die aktuelle Weltreise auf der «MS Europa» kostet 71 805 Euro. Ein stolzer Preis - vor allem, wenn der Passagier bereits am dritten der 157 Tage feststellen muss, dass er nicht seetauglich ist. Oder ihm das Bordleben nicht behagt. Es geht aber auch günstiger: ab 2030 Euro ist ein «Schnuppertörn» von Hamburg durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Heiligendamm, Bornholm und Kopenhagen bis Kiel zu haben.


Nun gehört die «Europa» zur Exquisit-Klasse, und da ist auch das «Schnuppern» etwas teurer. Aber auch das Edelschiff von Hapag-Lloyd setzt verstärkt auf «Kurzkreuzfahrten». Der Aperitif auf See soll Hunger machen auf mehr - und auf Meer. Das wirkt für viele noch bedrohlich, und auf See liegt die Hemmschwelle bei Barbados deutlich höher als bei Borkum, das die «Europa» auf einer anderen Tour ansteuert.


Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in Hamburg besinnt sich auf die Häfen vor der Haustür. So wird im Sommer 2008 die «Europa» fast schon traditionell vor Sylt auf Reede liegen (18. /19. Juli). Die «Columbus» kreuzt auf zwei Kurztrips zur Fördestadt Flensburg und zur Insel Amrum. Und selbst die «Bremen» fuhr vergangene Saison nicht nur in die Antarktis, sondern eine Einsteiger-Expedition: mit Anlandung auf Zodiacs am Timmendorfer Strand und anschließender Wanderung zum Hemmelsdorfer See. Auch wenn erfahrene Kreuzfahrt-Abenteurer dabei vermutlich einen Lachkrampf bekommen: Das hat durchaus Charme.


«Schnupperreisen begeistern auch immer mehr Reisegruppen - sei es eine Kreuzfahrt mit der großen Familie, dem Freundeskreis oder mit dem Verein», erzählt John Will von Transocean Tours in Bremen. Deren Neuzugang «Marco Polo» wird im September zum Nippen in die Nordsee geschickt. Für Lokalpatrioten heißt der Höhepunkt Helgoland. Bevor aber die Kreuz- zur Butterfahrt verkommt, gehören auch Oslo und Kopenhagen noch zur Reiseroute. Die Reise beginnt in Kiel und endet in Bremerhaven (5. bis 9. September) - eine autofreundliche Anreise, zumindest für Gäste aus den nördlichen Breitengraden der Republik.


Süddeutsche Kunden sollen durch Kurzkreuzfahrten geködert werden, die in Norditalien starten. So schickt MSC-Kreuzfahrten gleich drei Schiffe seiner Flotte von Genua auf den Kurztrip, zum Beispiel nach Monte Carlo und zurück. Schnupperpreis: ab 400 Euro in der Innenkabine. Aber auch in nordischen Gewässern ist MSC mit Kurztörns dabei: Ab Kiel fährt die «MSC Opera» bereits im April nach Oslo und Kopenhagen. Überhaupt gehören die skandinavischen Metropolen zu den beliebtesten Zielen einer Schnupperkreuzfahrt.


Die Fährreederei Color Line bietet das «Schnuppern» sogar im Linienverkehr an. Mit der «Color Fantasy» und der «Color Magic» geht es täglich von Kiel nach Oslo und zurück. Wer will, der bleibt einen, zwei und mehr Tage in Norwegens Hauptstadt. Und das auch zu einer Jahreszeit, in der die anderen Kreuzfahrtschiffe noch die warmen Gefilde vorziehen. So wie die Aida-Flotte aus Rostock: Durch die günstigen Flugverbindungen setzt sie auf den Basishafen Mallorca.


Hansjörg Kunze von Aida-Cruises sieht allerdings nicht nur das «Greenhorn»-Klientel auf den Clubschiffen: «Für Kreuzfahrtfans werden Kurzkreuzfahrten immer mehr zum Zweiturlaub zwischendurch. » Im März, April und Mai fährt das Schiff mit dem Kussmund am Bug ab Palma zum Beispiel nach Barcelona, Marseille oder Cannes. Und dort kann in den oft stürmischen Gewässern die «Schnupperfahrt» zur Feuertaufe werden.


Eine ganz andere Taufe gibt es am 23. April in Rostock-Warnemünde: Dann wird die neue «Aidabella» feierlich übergeben und auf die Jungfernfahrt geschickt. Direkt danach fährt die Frischgetaufte weiter über die Ostsee - von Warnemünde über Oslo und Kopenhagen und zurück. Vier Tage ganz dem Trend folgend: auf «Schnupperkreuzfahrt».



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