Bosnien-Herzegowina: Balkan-Urlaub zum D-Mark-Kurs Die 1993 zerstörte Brücke von Mostar aus dem 16. Jahrhundert ist 2004 neu eingeweiht worden. (Bild: Tourismusvereinigung Bosnien-Herzegowina/dpa/tmn) Von Thomas Gross, dpa Sarajewo (dpa/tmn) - Wer erzählt, Urlaub in Bosnien-Herzegowina machen zu wollen, erntet oft bestenfalls skeptisches Stirnrunzeln. Noch wahrscheinlicher sind besorgte Fragen, die sich zwischen «Bist Du verrückt?» und «Ist das denn überhaupt sicher dort?» bewegen.
Erstere Frage sollte man selbstbewusst verneinen. Natürlich ist es nicht verrückt, ein geschichtsreiches, landschaftlich reizvolles Land zu besuchen. Die zweite Frage beantworten die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes: «Reisen nach Bosnien und Herzegowina sind (unter Beachtung der Sicherheitshinweise) grundsätzlich möglich. »Unter den Sicherheitshinweisen wird empfohlen, «wegen fortbestehender Minengefahr die befestigten Straßen nicht zu verlassen. » Mehr nicht.
Dass in Bosnien jahrelang ein Krieg tobte, in dem grauenvolle Verbrechen verübt wurden, ist kein Geheimnis. Doch der Krieg ist seit 1995 vorüber. Faktisch ist das Land heute in die serbische «Republika Srpska» und die bosnisch-kroatische Föderation geteilt. Immerhin gilt in beiden Landesteilen dieselbe Währung: Die konvertible Mark, die genauso viel wert ist wie die alte Deutsche Mark und die denselben Wechselkurs zum Euro hat.
 Lebenslust vor Kriegsruinen: Längst wird in Mostar wieder für die aktuelle Mode geworben. Die Wunden des Bürgerkriegs sind aber noch sichtbar. (Bild: Gross/dpa/tmn) Spuren des Krieges sind beispielsweise die vielen Friedhöfe. In den Dörfern im Landesinnern fallen die zahlreichen nagelneuen Moscheen ins Auge. In Banja Luka dagegen, der zweitgrößten Stadt des Landes und Zentrum der «Republika Srpska», sind zwischen 1992 und 1995 alle 16 Moscheen zerstört worden. Kriegsruinen gehören auch in Mostar zum Straßenbild. Vor allem sozialistische Plattenbauten, aber auch viele Altbauten aus der Habsburger-Zeit sind noch immer von Granaten zernarbt und stehen leer.
Mostar wurde 1468 von den Osmanen besetzt und zum türkischen Vorposten auf dem Balkan ausgebaut. Aus dieser Zeit stammt die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, die Alte Brücke (Stari Most) von 1566. Sie wurde 1993 durch kroatischen Beschuss zerstört und 2004 nach originalgetreuer Renovierung wieder eröffnet. Seither verbindet die Brücke die überwiegend kroatischen Stadtteile westlich des Flusses wieder mit dem moslemisch bewohnten Osten der Stadt. Seit 2005 steht das neue alte Monument auf der Unesco-Weltkulturerbe-Liste.
Auch die Altstadt aus türkischer Zeit wurde wieder aufgebaut. Nur dass hier heute keine Handwerker mehr Kupferkessel fertigen oder Teppiche knüpfen - längst haben Souvenirgeschäfte, Galerien und Restaurants das Viertel in Beschlag genommen. Neben orientalischem Kitsch, der aus der Türkei importiert wurde, werden hier auch makabre Souvenirs wie aus Granaten gefertigte Kaffeemühlen angeboten.
 Idyllische Lage im Tal der Neretva: Mostar ist die größte Stadt der Herzegowina und liegt im Süden des Landes. (Bild: Gross/dpa/tmn) Die gibt es auch im Basarviertel von Sarajewo, das mit seinen Gassen und Moscheen wie ein Stück Orient aus dem Bilderbuch wirkt. Und da an jeder Ecke Cevapcici aus Lammfleisch gebraten werden, riecht es auch so. Ein paar Straßenzüge weiter zeigt sich Sarajewo von einer anderen Seite, mit Prunkstraßen aus österreichischer Zeit und einer Gedenktafel gegenüber der Lateinerbrücke, die auf ein Attentat hinweist, das Weltgeschichte schrieb: Hier wurde am 28. Juni 1914 der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand erschossen, vier Wochen später brach der Erste Weltkrieg aus.
Die beeindruckendste Sehenswürdigkeit in Sarajewo ist jedoch das Historische Museum, das die Belagerung der Stadt durch die Serben von 1992 bis 1995 dokumentiert - mit Fotos von Opfern, mit Zeitungsberichten über Kriegsgräuel, mit Kriegszigaretten und Kinderzeichnungen, die viel Blut und Rauch zeigen.
Informationen: Bosnien-Herzegowina unterhält kein Fremdenverkehrsamt in Deutschland. Offizielle deutschsprachige Informationen im Internet.  Goldhändler und Moschee: Im Basarviertel von Sarajewo können sich Touristen wie im Orient vorkommen. (Bild: Tourismusvereinigung Bosnien-Herzegowina/dpa/tmn)
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