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Russland » Reisetipps

Zu Besuch bei Väterchen Frost

Von Ulf Mauder, dpa

Weliki Ustjug (dpa/tmn) - In den Wäldern von Weliki Ustjug ist die Legende vom Väterchen Frost so lebendig wie nirgends sonst. Die noch junge Heimat des russischen Weihnachtsmanns im Norden des größten Landes der Erde lockt Hunderttausende Touristen an.


In Russlands waldreichen Weiten hat auch Väterchen Frost, der Ded Moros, ein fast märchenhaft schönes Zuhause. Seit die 1147 gegründete Handelsstadt Weliki Ustjug mit staatlichem Segen vor zwölf Jahren zur Heimat des russischen Weihnachtsmanns erkoren wurde, pilgern Hunderttausende Familien hierher. Dass dieser «Zauberwald» nur mit einigen Strapazen zu erreichen ist, scheint für viele Besucher eher Ansporn als Hindernis zu sein. 900 Kilometer nördlich von Moskau gelegen, lässt sich Russland hier noch in seiner ganzen Ursprünglichkeit entdecken.


Der Landsitz von Ded Moros selbst ist so etwas wie ein russisches Disneyland in schlicht. Die Stadt Ustjug am Fluss Suchona ist durch das 1998 gegründete Ded-Moros-Projekt zu landesweiter Berühmtheit gelangt. Dabei gibt es trotz öffentlicher Fördergelder bislang keine bequeme Verkehrsader - die Züge rollen bis Kotlas, von wo aus Busse oder billige Taxis noch gut 60 Kilometer weit fahren müssen.


Die Ustjuger leben ihre Kultur inmitten alter russisch-orthodoxer Kirchen, Klöster und Ikonen noch ganz ursprünglich - anders als in den Metropolen St. Petersburg und Moskau. Urige russische Restaurants mit Gastgebern in handgenähten Trachten, die herzerwärmende Volkslieder singen, empfangen Besucher oft ganz traditionell mit Salz und Brot, ein heute seltener Klischee-Klassiker. Auch Kunsthandwerk wie Birkenrindschnitzerei, das Schwärzen von Silber und die Lackmalerei sind fast überall zu finden.


Und nicht zuletzt macht der berüchtigte russische Winter mit beißendem Frost - oft kälter als minus 20 Grad - seinem Ruf alle Ehre. Die Banja, das russische Sauna-Dampfbad, bietet den Kontrast dazu. Zunehmend beliebt seien inzwischen auch die Aufenthalte für rund 15 Euro pro Nacht in Familien, die Städter mit dem Landleben vertraut machen, sagt Jelena Selenina vom Tourismusamt. Zu wärmeren Jahreszeiten seien Fischfang und das Sammeln von Kräutern, Beeren und Pilzen beliebt.


Familien zieht es inzwischen das ganze Jahr nach Weliki Ustjug - auch wegen der sauberen Luft und des Kinderprogramms: In dem großen Waldpark mit Skulpturen und Animateuren in Kostümen treffen Besucher die aus Büchern und sowjetischen Märchenfilmen bekannten Figuren - wie die Hexe Baba-Jaga oder die Vier Jahreszeiten, die an einem Lagerfeuer zum Wünschen einladen. Eine Kräuterfee serviert an einem Kamin warmen Tee vom Samowar.


In einem neuen Zoo haben Elche, Bären und Raubvögel ein Zuhause. Wichtigste Attraktion dieses umzäunten Landsitzes mit Familienhotel und stattlichen Holzvillen ist allerdings das Ded-Moros-Haus. Hier tummeln sich in der Neujahrsnacht Tausende Kinder, um mit dem Weihnachtsmann zu feiern. Gleich am Eingang liegt der Thronsaal mit einer festlich geschmückten Weihnachtstanne, der Jolka, wie sie auf Russisch heißt. Das Haus ist auch Museum und stilisierte Wohnung des Väterchen Frost, dessen große Kleiderkammer mit den prächtigen Kostümen Kinder zum Staunen bringt.


Doch das russische Jolka-Fest mit dem einzig staatlich anerkannten Ded Moros lässt sich nicht nur auf dem Landsitz feiern. Im Zentrum von Weliki Ustjug gibt es längst auch eine Stadtresidenz, die Programm für Kinder bietet, sowie ein Museum über Weihnachtsbräuche weltweit und eine Ded-Moros-Post, in der sogar Briefe aus Deutschland ankommen. «Unser Ded Moros reist um die ganze Welt - deshalb wird er immer bekannter», sagt die Post-Direktorin Ljudmila Suranowa.


Amt für Tourismus in Weliki Ustjug, Sowjetski Prospekt 103, Russland, E-Mail: tur_vu@mail.ru


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