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Kroatien » Traumziele

Wandern statt Baden: Kroatien lockt auch in die Berge

Von Thomas Brey, dpa

Orebic/Zadar (dpa/tmn) - Bergwandern in Europa - da kommt man auf die Alpen, auf die Pyrenäen, auf den Bayerischen Wald und das Riesengebirge. Aber Kroatien? Das ist doch nur etwas für Segler und Sonnenanbeter!


Doch weit gefehlt: Wer nach Süd-Dalmatien reist, ist schnell vom Gegenteil überzeugt. Bisher gilt die fast 1800 Kilometer lange Festlandküste Kroatiens samt ihren 66 bewohnten Inseln und mehr als 1000 unbewohnten Eilanden als Paradies für Strandurlaub. Doch vielen ausländischen Gästen ist das zu wenig. Daher wurden neue Angebote entwickelt - eines der beliebtesten ist das Wandern.


Das Adrialand mit seiner Steilküste bietet allerdings ein ganz anderes Wandererlebnis als die Alpen: Vom Meeresniveau steigen die Karstgebirge jäh bis über 1700 Meter in die Höhe. Oft organisieren Hotels oder die örtliche Tourismusverwaltung Bergtouren. Die Trainierten und Hitzeerprobten lassen sich von längeren und schwierigeren Wanderungen auch im Hochsommer nicht abbringen. Der weniger Ambitionierte zieht das späte Frühjahr sowie den Herbst wegen der milderen Temperaturen vor.


Der erste Gipfel im Kroatien-Urlaub kann der Hausberg von Orebic auf der Halbinsel Peljesac sein. Urlaubern ist der Ort bekannt als Fährhafen für die Insel Korcula. Am 961 Meter hohen Sveti Ilija (Eliasberg) sollen giftige Sand- oder Hornottern vorkommen, doch die örtlichen Bergführer geben Entwarnung: «Schlangen gibt es hier wie überall in Dalmatien», sagt ihr Vorsitzender Boris Grljusic. «Niemand kann sich jedoch daran erinnern, dass jemand an einem Schlangenbiss gestorben ist» Statt der scheuen Schlangen, die meist Reißaus nehmen, stelle falsche Sommerkleidung die größere Gefahr für Touristen dar: Kurze Hosen und Flipflops seien auf den Bergen keine Seltenheit. Dabei kann das oft lockere und scharfe Gestein nur mit gutem Schuhwerk bewältigt werden. Auch feste Turnschuhe reichen hier nicht.


Es gibt zwei Hauptwege auf den Sveti Ilija. Der eine führt von Orebic über das Franziskanerkloster direkt zum Gipfel. Dieser Pfad ist steil und anspruchsvoll. Die zweite Standardroute startet vom Ort Nakovana, der acht Kilometer westlich von Orebic liegt. Nach 3,5 Kilometern auf einer mäßig ansteigenden, breiten Straße geht es steil in Richtung des neuen Clubhauses des Wandervereins und weiter über das alte Schutzhaus zum Gipfel. Beide Wege sind mit 2,5 Stunden Auf- und 1,5 Stunden Abstieg angegeben. Dies orientiert sich aber am geübten Tourengeher und ist für Hobbywanderer nicht zu schaffen.


Der Rundblick auf dem Gipfel sucht seinesgleichen: Man erkennt das Festland mit dem gewaltigen Biokovo-Gebirge bei Makarska, die Insel Hvar und dahinter die Insel Brac. Nach Südwesten fällt der Blick auf die Insel Korcula, deren Hauptort wie eine kleinere Kopie der Altstadt von Dubrovnik aussieht. Außerhalb der Hochsaison besuchen an Wochenenden im Schnitt zwei Dutzend Menschen den Sveti-Ilija-Gipfel. Im Juli und August versuchen 50 bis 100 Wanderer den Gipfelsturm, erzählen Einheimische. Das ist noch Idylle statt Massenansturm. Auf dem Gipfel wurde notdürftig ein Gipfelkreuz zusammengeschustert. Darunter stehen noch die Rest von zwei Steinverschlägen, in denen die Deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ihre Flak untergebracht hat.


Etwa 30 Kilometer lang und bis zu 7 Kilometer breit: Das Biokovo-Massiv ist das Wahrzeichen der mittleren kroatischen Adria um die Stadt Makarska. Der mächtige Bergzug «scheint wie mit dem Meer verwurzelt», schwärmt die Geologin Ksenija Protrka, die in diesem Naturpark arbeitet. Vom Meeresniveau auf den 1762 Meter hohen Gipfel Sveti Jure in nur fünf Kilometern Luftlinie: was für ein Anstieg!


Über die höchste Asphaltstraße des Landes geht es über 23 Kilometer zum Gipfel. Der Fahrweg ist zur Talseite praktisch nicht gesichert und daher nicht ungefährlich. Der erste Stopp auf halber Höhe ist ein geologischer Lehrpfad, der die Erosion des Karstgesteins durch Wind und Wetter erklärt. Der erste Aussichtspunkt auf das tief blaue Meer ist dann Ravna Vlaska auf 1228 Metern Höhe. Auf dem Gipfel zeigt sich ein faszinierender Gegensatz: Während die Inlandsseite des Biokovos durch den häufigen Regen grün ist, zeigt sich die Meerseite schroff und kahl. Am Aussichtspunkt Vosac stockt vielen Besuchern dann der Atem beim Blick auf das tief unten liegende Makarska.


Wandern lässt es sich auch weiter nördlich im Nationalpark Paklenica bei der Hafenstadt Zadar. Dort hat eine beliebte Route die Manita-Tropfsteinhöhle in 570 Metern Höhe zum Ziel. Auf Schildern am Wegesrand wird erklärt, welche Szenen der Karl-May-Filme wie «Schatz im Silbersee» und «Unter Geiern» in den 60er Jahren hier gedreht wurden. Obwohl die Drehorte sich wegen der wuchernden Vegetation deutlich verändert haben, sind sie auch heute noch Anziehungspunkte vor allem deutscher Winnetou-Fans, erzählt die Geografin Natalija Andacic. Sie kommt fast täglich zu der Tropfsteinhöhle, um Touristen durch das Labyrinth der Stalaktiten und Stalagmiten zu führen.


Doch die meisten der jährlich 110 000 Besucher kommen nicht wegen des Wanderns, sondern um zu klettern. Die schroffen Felsen ziehen Freeclimber aus der ganzen Welt an. Star der oft überhängenden Kletterwände ist der 712 Meter hohe Fels «Anica Kuk». Mehr als 80 unterschiedliche Klettersteige sind seit 1830 von Generationen von Kletterern auskundschaftet und markiert worden.



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