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Kroatien » Reisetipps

Erstmals zugänglich: Europas längste Stadtmauer

Von Thomas Brey, dpa

Ston (dpa/tmn) - Der Werbeslogan «Europäische Chinesische Mauer» scheint für die 5,5 Kilometer langen Stadtmauern des kroatischen Fleckens Ston ein wenig übertrieben. Aber immerhin: Es handelt sich um Europas längste Stadtmauer.


Nach jahrzehntelanger Renovierung ist sie vom 15. Juni an erstmals in voller Länge auch für Touristen zugänglich. «Drei Jahrzehnte ist die Mauer instand gesetzt worden, doch jetzt ist sie endlich fertig», freut sich Ivo Romic. Er ist der Präsident des Bürgervereins «Denkmalsfreunde» in Dubrovnik etwas südlich von Ston. Der verwaltet schon erfolgreich die nicht einmal halb so langen Stadtmauern der eigenen Stadt, die es schon vor 30 Jahren auf die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste geschafft haben. «765 000 Besucher sind im letzten Jahr diese Mauern abgegangen, und jetzt wollen wir auch die viel längeren Mauern in Ston bekanntmachen», sagt Romic.


Die «Stoner Mauern», wie sie offiziell heißen, wurden im 14. Jahrhundert von der Stadtrepublik Dubrovnik errichtet, die damals im Mittelmeerraum fast so mächtig wie ihr großes Vorbild Venedig war. Damit wurden der Eingang zur Halbinsel Peljesac abgesperrt und die Salzgewinnung in Ston geschützt. «Salz besaß damals die Bedeutung wie heute das Erdöl», erklärt Slobodan Pavlovic, der demnächst die Eintrittsgebühr von 30 Kuna (etwa 4,10 Euro) kassiert. «Dubrovnik bezog ein Drittel seiner Einnahmen aus dem Salzverkauf.»


Im Juli und August wird in Ston auch heute noch genauso Salz gewonnen wie vor mehr als 1000 Jahren. Meerwasser wird in elf flache Becken geleitet, wo es verdunstet. Das kristallisierte Salz wird zusammengekehrt und in den örtlichen Geschäften verkauft. Täglich kommen so 55 Tonnen zusammen. Das schneeweiße Meersalz klumpt nicht und gilt wegen des ursprünglich außergewöhnlich sauberen Wassers als besonders gesund. Die Salzbecken tragen die Namen christlicher Heiliger. Ein Becken heißt auch schlicht «Volk», weil die Bevölkerung daraus früher kostenlos das wertvolle Salz erhielt.


Die 400 Einwohner, die innerhalb der Mauern wohnen, hoffen durch die neue Attraktion auf den touristischen Durchbruch. Im September 1996 war für die Gemeinde die «Stunde null», als ein schweres Erdbeben den Ort weitgehend zerstörte. Jahrelang mussten die Menschen außerhalb der Stadt in Notunterkünften hausen. Die schon seit Jahrzehnten beklagte Auswanderungswelle schwoll damit nochmals an. Jetzt ist aber fast alles wieder aufgebaut. Die massive Mauer selbst, die sich über den Berg von Klein-Ston nach Ston zieht, nahm bei dem Beben keinen größeren Schaden.


Das Befestigungswerk galt schon während seiner 18-jährigen Bauzeit als Ausnahme in Europa. Die Republik Dubrovnik ließ sie nicht in Zwangs- sondern in Lohnarbeit errichten. Hinter den dicken Mauern und Wehrtürmen entstand - ebenfalls ein seltener Fall auf dem alten Kontinent - eine planmäßig auf dem Reißbrett entworfene Ortschaft. Der Niedergang der gewaltigen Befestigung kam mit der Herrschaft der Habsburger im 19. Jahrhundert. «Die hatten kein Gefühl für die historische Bedeutung und verkauften die Steine als Baumaterial für neue Häuser», zeigt sich Kassierer Pavlovic noch heute erzürnt.


Informationen: Kroatische Zentrale für Tourismus, Kaiserstraße 23, 60311 Frankfurt; Telefon: 069/238 53 50, E-Mail: kroatien-info@gmx.de.

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