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Myanmar » Traumziele

Birma fasziniert mit Licht- und Schattenspiel

Von Kristina Rich, dpa

Rangun (dpa/tmn) - Eine mysteriöse Buddha-Figur schaut im Tempelareal von Bagan auf die Besucher nieder. Die zehn Meter hohe Statue in der Südnische des Ananda-Tempels lächelt gütig auf die Herantretenden hinab. Doch der Gesichtsausdruck ändert sich mit jedem Schritt.


Wer schließlich wenige Meter vor dem riesigen Füßen den Kopf in den Nacken legt, blickt in ein tiefernstes Gesicht. Es ist ein Spiel von Licht und Schatten, das dem Auge Schnippchen schlägt und symbolisch für ganz Birma stehen könnte - oder Myanmar, wie das Land sich selbst nennt.


Im Licht steht die mehr als tausendjährige Geschichte und Kultur, im Schatten die Militärdiktatur, die das Land seit 1962 im Griff hat. Im Licht die Tempel und Pagoden, im Schatten die Foltergefängnisse des Regimes. Im Licht die liebenswerte und meist unaufdringliche Bevölkerung, im Schatten die Armee, die Kinder an die Waffe zwingt und Minderheiten unterdrückt.


Soll man ein solches Land bereisen? Es stimmt, dass manche Hotels und Fluggesellschaften in den Händen von Schergen des Regimes sind. Doch auch Taxifahrer, Reiseführer, Gärtner, Zimmermädchen und Wäscher leben von den Besuchern. Der Kontakt zu Gästen sei eines der wenigen Tore zur Außenwelt, sagt ein Reiseführer.


Wer den weiten Weg über Bangkok oder Singapur in die Hafenstadt Rangun nimmt, taucht ein in eine andere Welt. Das Land ist durch und durch vom Buddhismus geprägt. Davon zeugen unzählige Buddha-Statuen: liegend, stehend, winzig bis viele Meter groß und Prachtbauten wie das Paradestück in Rangun, die Shwedagon-Pagode. Mit ihrem 100 Meter hohen goldenen Stupa ist sie das Wahrzeichen der Stadt. Die Menschen sind hier im Gebet oder bei rituellen Waschungen zu sehen. Eine besondere Atmosphäre schafft der helle Klang von tausend Glöckchen und der tiefe Ton von Gongs. «Wer dreimal schlägt, tut dies für Buddha, seine Lehre und seine Anhänger. Wer fünfmal schlägt, bezieht seine Eltern und Lehrer mit ein», erklärt der Reiseleiter.


Gelassen wechseln die Menschen in Minutenschnelle zwischen Gebet und Alltagsleben - wie der junge Mann mit weißem Hemd und ernster Miene, der einem Touristen, der auch mal einen Gong schlagen will, einen US-Dollar abknöpft. Er stand zufällig da, als der Tourist sich fragend umschaute und nutzte die Gunst der Stunde. Gongschlagen darf jeder - und Wächter, die Geld verlangen, gibt es nicht.


Ranguns Markt in Chinatown ist mit seinen Farben und Aromen ein Fest für Auge und Nase. Fische werden auf Tabletts präsentiert, Fleisch auf Holzböcken. Schon am frühen Morgen ist auf den Straßen viel los. Die Frauen balancieren die ersten Einkäufe auf dem Kopf nach Hause. Am Kandawgyi-See wird gejoggt, gewalkt, gespielt - fünf Teenager legen beim Sonnenaufgang eine Breakdance-Show mit Ellbogenstand am Treppengeländer hin. Ein paar Straßen weiter sortieren Zeitungsausträger ihre Ware. Die Titel sind vielversprechend: «Flower News» zum Beispiel. Das Spannendste, was die staatlich kontrollierte Presse aber auf Seite eins präsentiert, sind Schlagzeilen wie «Neue Brücke in Provinz XY eingeweiht».


Mandalay liegt rund 700 Kilometer nördlich von Rangun. In der Stadt liegt die neben der Shwedagon-Pagode wichtigste Pilgerstätte der Birmanen, die Mahamuni-Pagode. Der sitzende Buddha ist vier Meter hoch, aber unterhalb des Kinns zu einem unförmigen Klumpen aus Gold degeneriert. Das kommt, weil die Besucher ihre Verehrung seit mehr als 150 Jahren mit dem Aufkleben hauchdünner Goldplättchen zeigen.


Mandalay ist traditionell auch das Bildungszentrum Birmas. In dieser Tradition hat Abt U Nayaka im Jahr 1993 die Klosterschule Phaung Daw Oo (PDO) mit heute 7000 Schülern gegründet. «Hier können Kinder fröhlich lernen, ohne zu bezahlen», steht auf einem Schild an der Wand. Die Schule wird vom deutschen Förderverein Myanmar und der Studiosus Foundation unterstützt. Besucher sind willkommen. Auf dem Schulgelände gibt es eine große Küche zur Speisung aller, Werkstätten für die Ausbildung und Internats-Unterkünfte für Mädchen und Jungen.


Das echte Buddha-Paradies ist Bagan mit seinen 2700 Pagoden, ein Weltwunder vom Kaliber der kambodschanischen Tempelanlagen in Angkor Wat. Bis Anfang der 90er Jahre wohnten in Alt-Bagan zwischen den Tempeln noch Leute in ihren Hütten. Die Militärbehörden verscheuchten sie, «um die Bauten zu schützen», wie es hieß. Heute liegen dort in bester Lage am Irrawaddy-Fluss einige der schönsten Hotelanlagen, teils mit Pagoden auf dem Grundstück.


Am beschaulichsten erkundet man die Pagoden zwischen Baumwollfeldern und auf sandigen Wegen mit Pferdekutschen. Hinter jeder Pagode verbirgt sich eine spannende Geschichte. Da ist die massivste, der Dhammayangyi-Tempel. König Narathu, der sie 1167 bauen ließ, war ein strenger Bauherr: Wenn er zwischen zwei Steine eine Nadel stecken konnte, war das für den Maurer das Todesurteil, heißt es. Und da ist der Ananda-Tempel aus dem Jahr 1105, mit dem mal freundlichen, mal ersten Buddha. Wer aus dem Südtor geht und noch mal über die Schulter schaut, behält nur den gütigen Blick in Erinnerung.


Infos

Birma Anreise und Formalitäten: Flüge nach Birma gibt es unter anderem über Bangkok, Singapur oder Kuala Lumpur mit Fluggesellschaften wie Thai Airways, Singapore Airlines und Malaysia Airlines. Für die Einreise wird ein Touristen-Visum benötigt. Zu beantragen ist es bei den birmanischen Botschaften oder über Reiseveranstalter. Auskünfte dazu unter «myanmarvisa.com» und «botschaft-myanmar.de/4.html». Klima und Reisezeit: Birma hat drei Jahreszeiten: kühl, heiß und nass. Die beste Reisezeit ist zwischen November und Februar. Dann liegen die Temperaturen bei 20 bis 30 Grad. Abends und nachts kann es empfindlich kalt werden. Zwischen März und Mai kann es vor allem im Norden bis 45 Grad werden. Von Mai bis Oktober regnet es viel. Geld: Die lokale Währung heißt Kyat. Zum Umtauschen braucht man US-Dollar, am besten 50- und 100-Dollar-Noten. Es werden nur bestens erhaltene Noten ohne Knicke akzeptiert. Der offizielle Wechselkurs ist unvorteilhaft, Reiseleiter «helfen» aber gerne beim Umtausch. Kreditkarten und Reiseschecks werden nur ganz vereinzelt akzeptiert. Technik: Die elektrische Spannung beträgt 220 Volt, Steckdosen funktionieren oft wie in England. Internetcafés sind weit verbreitet. Ausländische Handys funktionieren nicht.

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