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Bhutan: Zu Besuch im «Land des Donnerdrachens»

Bhutan
Ein Anblick für Touristen erst seit 1974 - bis dahin hatte sich Bhutan weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. (Bild: Bhutan Aviation & Tourism/dpa/tmn)

Von Antje Schmid, dpa

Thimphu (dpa/tmn) - Ein Land wie Bhutan kommt nur selten in die Schlagzeilen. Am 6. November aber gab es Bilder aus dem Staat in Asien rund um den Globus zu sehen: Der 28-jährige Jigme Khesar Namgyel Wangchuck wurde zu Bhutans «Drachenkönig» gekrönt.


Mancher Zuschauer wird sich gefragt haben, wo das Land überhaupt liegt. In Bhutan selbst ist die Antwort darauf klar: Man lebt auf dem «Dach der Welt» im Himalaya, in einer Höhe von 2000 bis 7000 Metern.


Bhutan liegt eingebettet zwischen vier indischen Bundesstaaten und grenzt im Norden an Tibet. In der Landessprache heißt Bhutan «Druk Yul», übersetzt «Land des Drachens». Diese Bezeichnung geht auf einen Mythos aus dem zwölften Jahrhundert zurück. Als ein buddhistischer Lehrer zu jener Zeit ein Kloster in Zentraltibet weihte, hörte er einen lauten Donner, den der Volksglaube als Gebrüll eines Drachen deutete. Dies gab Bhutan später den Namen «Land des Donnerdrachens».


Farbenfrohe Traditionen
Ein Land voll farbenfroher Traditionen: Was Touristen in Bhutan zu sehen bekommen, wird über Reiseveranstalter organisiert. (Bild: Bhutan Aviation & Tourism/dpa/tmn)

Wer auf dem Landweg nach Bhutan reist, tritt hinter der indischen Grenze in der kleinen Stadt Puntsholing in eine andere Welt ein - vor allem in eine langsamere. Sogar die Menschen bewegen sich deutlich gemächlicher. Noch heute rühmt sich Thimpu, die einzige Hauptstadt der Welt ohne Ampel zu sein. Ausländische Touristen sind erst seit 1974 willkommen. Und noch immer ist ihre Zahl beschränkt: Sie müssen ein hohes Tagegeld bezahlen, damit sie einreisen dürfen. Doch seit einiger Zeit kommt das Land in Bewegung, mit dem 21. Jahrhundert haben auch Fernsehen und Internet Einzug gehalten. Die neue Welt und die alte, buddhistisch geprägte Ordnung beginnen ineinanderzufließen.


Wer das Land bereist, stellt schnell fest, wie sehr der Buddhismus Bhutan beeinflusst hat. Glückssymbole zieren jede Münze. Gebetsfahnen sind nahezu überall entlang der Straßen über die Pässe zu finden. Die Klosterburgen, strategisch auf den Höhen gelegen, dienten einst der Verteidigung gegen rivalisierende buddhistische Orden.


Auf einer der Höhen liegt das Kloster Taktsang, auch «Tigernest» genannt. Der Reiseführer erzählt während des Aufstiegs auf 3000 Meter die Geschichte des Berges: Der Legende nach kamen alle großen Meister des tibetischen Buddhismus dorthin, um zu meditieren. Auch Guru Rinpoche, ein Meditationsmeister, der im achten Jahrhundert auf dem Rücken einer Tigerin nach Bhutan geritten und den Buddhismus mitgebracht haben soll, soll hier gewesen sein. Der Legende nach ist er mit seinem Tiger unmittelbar neben dem Kloster gelandet.


«Tigernest»
«Tigernest» in 3000 Metern Höhe: Das Kloster Taktsang in Bhutan ist nur zu Fuß erreichbar. (Bild: Schmid/dpa/tmn)

Gleich neben dem «Landeplatz» liegen in den Fels gemeißelte Höhlen. In einer soll Guru Rinpoche drei Monate lang meditiert haben, ohne seinen Platz zu verlassen. Aus diesem Grund wurde am Ende des 17. Jahrhunderts das Kloster, zu dem bis heute keine Straße führt, an dem Steinhang nahe der Stadt Paro gebaut. Für Touristen ist es einer der beliebtesten Ausflugspunkte im ganzen Land. Wer nicht so fit ist, kann den Anstieg teilweise vom Rücken eines Esels aus genießen.


Auch im Alltag hat der Buddhismus seine Spuren hinterlassen: Die Regierung hat sich dem Glück verschrieben und ein «Glücksministerium» gegründet. Das Erreichen von größtmöglichem Glück ist erklärtes Staatsziel, und deshalb soll der Grad der Zufriedenheit der Bevölkerung künftig gemessen werden werden. Er wird dann im «Bhutan-Entwicklungsindex» oder als «Bruttonationalglück» erfasst.


Informationen: Department of Tourism, P. O. Box 126, GPO Thimphu, Bhutan, E-Mail: tab@druknet. bt


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