Galiciens magische Dörfer: Im Land der «guten Hexen» Galiciens Meeresfrüchte genießen Weltruhm. (Bild: Meyer/dpa/tmn) Von Manuel Meyer, dpa Cambados/Ribadavia (dpa/tmn) - Galicien ist ganz anders als der Rest Spaniens. Durch seine keltischen Riten und Bräuche erinnert die Region oft mehr an Irland als an ein südeuropäisches Mittelmeerland.
Besucher erleben hier im Nordwesten der Iberischen Halbinsel eine Region voller Mystik, und sie begegnen Frauen mit Berufen, die es anderswo in Spanien gar nicht gibt, etwa «Guten Hexen» und Muschelsucherinnen.
María Xosé Cacabelos legt einen Schritt zu, sie hat es eilig. Den Häusern von Cambados, einem Fischerdorf an Galiciens Atlantikküste, würdigt sie kaum Aufmerksamkeit. Selbst der Palast «Pazo de Fefiñáns» mit seinen originellen Eckbalkonen am Turm findet nur eine kurze Erwähnung, während María Xosé ihre Begleiter über den Dorfplatz führt. «Das können sie sich später in Ruhe anschauen. Uns läuft die Zeit davon, das Wasser steigt schon an. » María Xosé möchte ihr Dorf von der maritimen Seite zeigen, denn María Xosé ist Muschelsucherin.
 Keltisches Erbe - in Galicien gibt es noch viele Spuren der Kelten wie hier in der Siedlung Santa Trega. (Bild: Meyer/dpa/tmn) Rund 80 Prozent der knapp 6000 Einwohner in Cambados leben vom Fischfang und dem Verkauf von Meeresfrüchten. Zusammen mit anderen organisiert María Xosé Touristentouren. Vom Sammeln der Muscheln übers Waschen bis hin zum Verkauf auf dem Fischmarkt zeigen sie den Besuchern nicht nur, wie sie arbeiten, sondern auch, wie sie leben.
Die anderen Muschelsucherinnen stehen tief gebückt im Watt, als die Gruppe mit María Xosé ankommt. Mit Harken und Eimern bewaffnet, graben sie nach den Meeresfrüchten. Sie haben kaum Zeit für eine Pause - die Ebbe gibt den Meeresgrund hier in der Ría de Arousa, einer fjordähnlichen Meeresbucht, nur für drei Stunden frei. Dennoch freuen sich die Muschelsucherinnen über die Besucher und fangen an zu plaudern: «Das hier sind Almejas finas und das die Japonica. Die Almeja fina ist viel süßer im Geschmack und das Fleisch ist weicher», erklärt eine. Immer wieder holt sie einige aus dem Schlamm, öffnet sie und reicht sie den Urlaubern. «Frisch aus dem Wasser schmecken sie fast am besten», sagt María Xosé.
Galicien gehört zu den entlegensten Regionen Spaniens. Selbst die Römer verschlug es selten hierher. Im sechsten Jahrhundert vor Christus wanderten Kelten ein. Immer wieder stehen in der Nähe der Dörfer «Pallozas», runde vorrömische Steinhütten mit kegelförmigem Strohdach, sowie keltische Ochsenkarren und Holzpflüge. Das typische Instrument ist die Gaita, der galicische Dudelsack. In Dörfern wie Catoira finden sogar Wikinger-Feste statt. Und noch heute baden sich zur Sommersonnenwende unfruchtbare Frauen in der Nähe von Cambados an der Playa de la Lanzada, um doch schwanger zu werden.
 Viele Traditionen in Galicien wirken nicht spanisch - ein typisches Instrument ist die Gaita, der galicische Dudelsack. (Bild: Meyer/dpa/tmn) Im Pilgerland des Heiligen Jakob glauben vor allem die Menschen in den Dörfern immer noch an «Meigas» (Hexen). Sie gelten als Nachfahren der Druiden. In dem Ort Combarro zum Beispiel hängen sie nicht nur als Marionetten in Souvenir-Shops, sondern nehmen auch am Alltagsleben der Dorfbewohner teil. Wenn ein Angehöriger krank ist oder viel Regen die Weinernte bedroht, beten viele Menschen in der Kirche zum Heiligen Jakob - und gehen anschließend zur «Meiga», versichert Souvenirhändler José. Viele Fischer aus Combarro lassen ihr Boot nicht nur von der Kirche segnen, sondern auch von einer «guten Hexe», bevor es zum ersten Mal auf See geht.
Weniger mystisch, aber nicht weniger schön zeigt sich weiter südlich das Hafenstädtchen Baiona. Herrschaftliche Villen im Altstadtkern zeugen vom früheren Reichtum der Kleinstadt. Von hier aus starteten Entdeckungsfahrten in die Neue Welt, hier traf die Kolumbus-Galeone «Pinta» zum ersten Mal wieder auf europäisches Festland. Die meisten Angreifer scheiterten beim Versuch, die Festung Castelo de Monte Real einzunehmen, von dessen Anlage noch rund drei Kilometer Mauern, Wachtürme und der Statthalter-Palast erhalten sind.
Weiter südlich bildet der Río Miño die Grenze zu Portugal. Hier liegen auch Tui mit seiner sehenswerten Altstadt und weiter im Landesinneren dann Ribadavia. Die Kleinstadt liegt im Anbaugebiet des Ribeiro-Weins. Die Kellereien am Ufer des Miño produzieren seit dem Mittelalter die teuersten Weine Spaniens. Das Dörfchen bezaubert mit von Säulengängen gesäumten Plätzen, romanischen Kirchen und einer Festung aus dem neunten Jahrhundert.
 Galicien ist einfach anders - in Dörfern wie Catoira finden sogar Wikinger-Feste statt. (Bild: Meyer/dpa/tmn) Rund um Ribadavia stößt der Besucher auf Thermalbäder und weitere Winzerdörfer. In Allariz wird am Abend das Flussufer der Arnoia zum magischen Anziehungspunkt. Dorfbewohner mischen sich mit Touristen auf der Flaniermeile. Über eine romanische Brücke führt der Weg bis zur ehemaligen Gerberei, die noch bis vor wenigen Jahrzehnten in Betrieb war. Und wie in anderen Orten treffen sich auch die Dorfbewohner von Allariz abends in den uralten Tavernen aus Stein und Holz und erzählen von Hexen, Wolfsmenschen und alten Keltensagen.
Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt, Telefon: 069/72 50 38, für Broschüren-Bestellung: 06123/991 34 Weitere Bilder
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