USA-Touristen zittern am Flughafenzoll Das Handgepäck von USA-Reisenden kontrolliert ein Zollbeamter in der Gepäckkontrolle des Flughafens Frankfurt. (Bild: dpa) Von Christian Ebner, dpa Frankfurt/Main (dpa) - Die Angebote im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind einfach zu verlockend. Der schwache Dollar macht viele «must-haves» (englisch für «was man haben muss») so billig, dass immer mehr deutsche Touristen die Gelegenheit nutzen.
Doch bei der Rückkehr gibt es bange Minuten am Zollschalter, denn für Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern gelten enge Wertlimits. «Ganz von sich aus hat bei mir aber noch niemand sein neues Laptop angemeldet», sagt der Zollbeamte Timo Happel, der am Frankfurter Flughafen die Passagiere kontrolliert.
Happel und seine Kollegen haben ihre Klientel genau im Blick, wenn am Morgen die US-Flieger im Viertelstunden-Takt die Geschäftsleute und Touristen nach Frankfurt bringen. Neuwaren für den persönlichen Bedarf im Wert von 175 Euro (rund 270 US-Dollar) darf jeder von ihnen importieren, darüber wird die EU-Umsatzsteuer von 19 Prozent und bei manchen Artikeln auch Einfuhrzoll fällig. Stets zu verzollen ist Goldschmuck, der es den Erfahrungen der Beamten zufolge vor allem älteren, wohlsituierten Ehepaaren angetan hat.
«Ich wusste vorher Bescheid über die Grenzen, aber es ist halt schwer, genau zu treffen», sagt Passagier Gernot Schönthal, dessen Gepäck nach zehn Tagen USA-Urlaub genau gefilzt wird. Er hat sich eine japanische Digitalkamera und einen neuen Koffer angeschafft, deren gemeinsamer Anschaffungspreis gerade noch im Rahmen bleibt. Sein tragbarer Computer hat eine deutsche Tastatur mit Umlauten und erregt daher nicht sofort das Misstrauen des Zöllners. «Einen neuen Laptop hätte ich angemeldet», versichert der erleichterte Fluggast nach überstandener Kontrolle.
Vor allem Austauschschüler und Studenten vergessen nach Happels Einschätzung häufig, die in den USA gekauften Elektronik-Artikel zu deklarieren. Auch offensichtlich modeverrückte Damen und Männer mit neuen Cowboy-Hüten aus dem Dallas-Jet gehören für ihn zur Zielgruppe, die schon mal gebeten wird, den Koffer zu öffnen. Klassiker sind zudem neue Jeans, Turnschuhe und besonders angesagte Shirts. Bis zu einem Gesamtwert von 350 Euro (540 Dollar) wird nur ein geringerer Pauschalsatz von 13,5 Prozent angesetzt, darüber kann es deutlich teurer werden. Zollzuschläge, Bußgelder und Geldstrafen machen das vermeintliche Schnäppchen endgültig zur teuren Idee. Im Extremfall droht sogar Haft.
Die kleinen Computer und ihre noch vielen kleineren Vettern iPhone und iPod sind die begehrtesten Mitbringsel der US-Touristen und liegen daher auch in der Zoll-Statistik am Flughafen vorn: 177 nicht deklarierte Laptops und 62 Mobiltelefone haben die Beamten in den ersten drei Monaten dieses Jahres gefunden, außerdem 87 Kameras und 91 Armbanduhren. Insgesamt gab es in diesem Zusammenhang 637 Steuerstrafverfahren, bei denen knapp 370 000 Euro Abgaben erhoben wurden - gegenüber dem Vorjahr ein deutliches Plus, wie Behördensprecher Andreas Urbaniak feststellt.
Die Beweislast, dass ein bestimmtes Teil nicht in den USA gekauft hat, liegt beim Fluggast, erläutert Zollobersekretär Happel. Wenn man als Passagier an der grünen Zoll-Linie angesprochen wird, sollte man es daher besser nicht mehr mit Tricksen probieren. «Wer auf Nachfrage fälschlicherweise leugnet, handelt mit Vorsatz», sagt Urbaniak. Ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung ist dann unausweichlich. Eigentlich müssten die Beamten an der grünen Linie gar nicht mehr fragen, doch eine letzte Chance bekommt fast jeder.
INFO: Einfuhren von Waren aus dem USA-Urlaub Wegen des günstigen Dollarkurses nutzen USA-Touristen zunehmend ihre Reisen zu ausgedehnten Einkaufstouren. Das wirft Probleme mit dem Zoll auf. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was darf ich abgabenfrei aus einem Nicht-EU-Land einführen? Für einige Produkte (Zigaretten, Alkohol, Kaffee, Parfüms, Medikamente) gelten enge Mengenbegrenzungen. Alle übrigen Neuwaren im Reisegepäck, die dem persönlichen Bedarf dienen, dürfen einen Wert von 175 Euro (derzeit 270 US-Dollar) nicht übersteigen. Postsendungen unterliegen niedrigeren Grenzen.
Was muss ich zahlen, wenn der Warenwert über der Freigrenze liegt? Wenn die Waren ordnungsgemäß angemeldet werden, müssen die EU-Umsatzsteuer und bei einigen Produktgruppen Zoll gezahlt werden. Bei einem Warenwert bis 350 Euro (540 Dollar) gilt ein Pauschalsatz von 13,5 Prozent für sämtliche Abgaben zusammen. Darüber sind immer die Umsatzsteuer von 19 Prozent und unterschiedliche Zollsätze fällig, die sich zusammen auf rund 30 Prozent des Warenwerts addieren können.
Welche Strafen drohen beim Schmuggel? Schmugglern drohen je nach Intensität ihrer Tat verschiedene Sanktionen. Die geringste ist der sogenannte Zuschlag, der in der Regel noch einmal den nachzuzahlenden Steuern entspricht. Bußgelder bei mittleren Verstößen können bis zu 50 000 Euro betragen. Erkennt der Zoll eine Steuerstraftat, entscheidet die Justiz. Der Strafrahmen reicht von der Geldstrafe bis zu zehn Jahren Haft für Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen.
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