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TravelingWorld » Europa » Spanien » Reiseberichte » Pyrenäen GR11 » Wanderung auf dem GR 11 2008 (15.07. - 31.07.)

Reisebericht: Pyrenäen GR11

Wanderung auf dem GR 11 2008 (15.07. - 31.07.)

erstellt um 14:21 Uhr am 11.03.2009

Der GR 11 ist ein Weitwanderweg der die Pyrenäen, fast ausschließlich auf spanischer Seite, zwischen der Mittelmeer- und der Atlantikküste durchläuft. Die Gesamtlänge beträgt ungefähr 750 km, die man in ca. 45 Tagesetappen zurücklegen kann. „GR“ ist im spanischen das Kürzel für Grand Recorrido. Ausgehend von der Stelle, wo die Verbindungsstraße zwischen St. Jean Piert du Port (Frankreich) und Roncesvalles (Spanien), den GR 11 kreuzt, beginnen wir unsere Wanderung.

 

Tag 1 15.07. Ahrweiler - St.Jean - Jakobsweg

 

 

So, nun ist es endlich soweit; nach wochenlangem Herbeisehnen ist der Tag der Abreise endlich da; Thomas und ich haben uns für 8:00 Uhr verabredet, Kurt fährt uns zum Flughafen Hahn. Das Wetter ist verheißungsvoll gut, strahlend blauer Himmel und angenehme Temperaturen. Es klingelt – Kurt ist da und ich verabschiede mich noch von meiner Familiy. Milanka – Bussy , Marco – Umarmung, Michi – zaghaftes Drücken ( sie ist noch ein bisschen sauer auf mich) und dann geht es ab. Wir holen Thomas in Bachem ab, verabschieden uns von Ute und brechen in Richtung Hahn auf.

Kurt fährt streng nach „Navigation“; wir kommen trotzdem rechtzeitig am Flughafen an. Beim Einchecken sowie bei der Gepäckaufgabe haben wir keine Schwierigkeiten und es bleibt sogar noch Zeit für eine Zigarette. Das Rauchen habe ich eigens für diese Reise wieder angefangen!! Beim Boarding erkennt man schon den einen oder anderen Jakobsweg-Pilger, die meisten tragen eine Jakobsmuschel an ihrem Rucksack als Erkennungszeichen. Wir nutzen die Gelegenheit um schon mal nach dem Weg vom Flughafen in Biarritz Richtung Sant Jean zu fragen.

Der Flug ist pünktlich und geht bei sehr guten Wetterbedingungen reibungslos von statten. Wir landen in Biarritz an der französischen Atlantikküste. Der Flughafen ist noch kleiner als der in Hahn, sieht aber gemütlicher aus und die unmittelbare Nähe zu Biarritz, Bayonne, dem Atlantik und nicht zuletzt auch der Spanisch - Französischen Grenze machen ihn zu einem interessanten Verkehrspunkt.

Thomas muss erst einmal seinen Rucksack umpacken, der all sein Gepäck noch nicht so ganz optimal aufnehmen kann. Aber uns bleibt auch noch genügend Zeit, bis uns ein Linienbus durch einige Vororte an den Bahnhof von Bayonne bringt. Dort angekommen lösen wir zwei Tickets, die uns mit dem nächsten Zug nach St. Jean-Pied-de -Port bringen. Wir schaffen es gerade noch, einen Döner zu kaufen, bevor der Zug abfährt. Im Abteil treffen wir auf zwei Jakobsweg-Pilger die natürlich auch nach St. Jean wollen. Einer von ihnen heißt Bert, so steht es zumindest auf seinem Pilger T- Shirt. Sie kommen aus der Ecke Aachen / Mönchengladbach. Für die Tour haben sie sich 5 – 6 Wochen vorgenommen; bei welchem Job hat man eigentlich so viel Urlaub am Stück, denke ich so, frage aber nicht. Die Zugfahrt als solche ist sehr schön, das Tempo eines Bummelzuges, bei der man die ersten Landschaftseindrücke in aller Ruhe betrachten kann. Vorbei an sanften Ausläufern der Pyrenäen entlang der Nive, ein Fluss, der einmal sehr ruhig und sanft dahin fließt und einige Meter weiter wild und unbändig wirkt. Wir sehen auch eine Gruppe, die sich für eine Rafting Tour auf dem Fluß bereit macht. Nach gut einer Stunde Fahrt kommen wir in St. Jean an, wo wir uns von den Pilgern verabschieden. Thomas befragt einige Einheimische nach dem Weg, sodass wir rasch ins Zentrum gelangen, wo wir in der Tourist-Info die Telefonnummer eines Taxis bekommen. Auch hier bleibt nicht sehr viel Zeit, bis es weiter geht, und wir nutzen sie, um uns mit Brot, Käse, Schinken und Wasser zu versorgen, bevor uns das Taxi abholt. Wir fahren in Richtung Roncesvalles, wo unser Weg den Jakobsweg, der hier Camino heißt, kreuzt und unser Fahrer setzt uns an der Kapelle, San Salvador, ab die direkt am Wanderweg liegt.

 

Es gibt interessanter Weise eine direkte Beziehung zwischen Roncesvalles und unserem heimatlichen Rolandseck. Im Jahr 778 führte Ritter Roland, der Neffe und Paladin „Karl des Großen“ ein fränkisches Heer, vom Feldzug gegen die Mauren, zurück über die Pyrenäen. Er geriet bei Roncesvalles in einen Hinterhalt der baskischen Bevölkerung, die sich damit, für die Verwüstung Pamplonas, rächten. Seine Braut, die Hildegunde, war verzweifelt, ein Leben ohne Roland konnte sie sich nicht vorstellen. In tiefer Trauer legte sie im nahen Kloster Nonnenwerth die Gelübde als Nonne ab. Der Sage nach kehrte Roland nach einem Jahr zurück und sah seine Hildegund unerreichbar im Kloster Nonnenwerth, auf das er fortan, aus seinem Fenster der Burg Rolandeck hinabblickte, um darauf zu warten, dass der Tod sie irgendwann wieder vereinen möge. Das Fenster bildet den heutigen Rolandsbogen. Europa ist ein Dorf.

 

Wir sind jetzt auf 1040 m Höhe und haben bei blauem Himmel, um sechs Uhr abends noch 20°C. Nach kurzer Orientierung gehen wir die ersten wirklichen Schritte auf dem GR11. Schon nach den ersten Metern bemerken wir, dass wir uns wohl zu viel Gepäck aufgeladen haben, und Thomas nicht den richtigen Rucksack gewählt hat. Er hängt komplett in Schieflage und alles baumelt hin und her, ein bisschen provisorisches Umpacken bringt nur wenig. Es wird sehr windig und so suchen wir gegen halb acht nach einem einigermaßen geschütztem Zeltplatz. Bis dahin genießen wir die ersten Eindrücke entlang unseres Weges, mit Blick auf Roncesvalles und tiefe, umliegende Täler, sowie hohe, grüne Hügel auf denen sich die Schafe tummeln. Und da finden wir auch schon unseren ersten Schlafplatz direkt am Wegesrand im Windschatten einer kleinen Baumgruppe. Bevor wir das Zelt aufbauen können, müssen wir die Stelle erst noch von Schafdung befreien, das Zelt selbst ist in wenigen Minuten aufgebaut, und wir machen es uns im Grünen gemütlich. Zu diesem Zweck habe ich eine Flasche Spätburgunder vom Weingut Kriechel im Gepäck, die wir uns mit Käse und Brot einverleiben. Während wir noch so im Plausch beisammen sitzen, die Aussicht genießen, den guten Roten im Becher, rauchend und darauf warten das die Sonne untergeht, sehen wir noch einen seltenen Schmetterling, einen Admiral und sind zufrieden mit dem Verlauf des Tages. Das Abendrot erinnert Thomas an „Die Nebel von Avalon“ und als die Dunkelheit hereinbricht, kriechen wir in unser Zelt, um zu schlafen. Thomas schläft fast augenblicklich ein, und ich kann, Dank meiner Stirnlampe auch bei uns umgebender Dunkelheit, noch etwas schreiben.

 

 

Tag 2 16.07. Jakobsweg – Zeltplatz „Arazola“

 

 

Die Sonne ist schon über den Bergen aufgegangen, und es ist so gegen acht, als wir aufstehen. Geschlafen haben wir beide gut. Die Schafherden, die wir gestern gesehen haben, sind auf die grasbewachsenen Hügel getrieben worden und grasen schon gemächlich vor sich hin. Es dauert noch eine Weile, bis wir unsere Katzenwäsche hinter uns bringen und alles wieder verpackt haben. Thomas Rucksack packe ich komplett neu, damit er besser laufen kann, denn die paar Meter von Gestern waren ja nur ein winzig kleiner Vorgeschmack dessen, was in den nächsten Tagen auf uns zukommt.

Nach kurzer Orientierung marschieren wir los. Allerdings sind wir uns des Weges nicht ganz sicher, da wir noch keine weitere Markierung für den GR11 gefunden haben. Die letzte hat uns nur angezeigt, das der Weg, auf dem wir jetzt sind, nicht der Camino ist. Der Weg führt uns vorbei an großen, steilen Hängen, die überwiegend mit dichtem Farn bewachsen sind, was wir beide so noch nie gesehen haben. Und, wie sollte es anders sein? Wir sind, was wir befürchtet haben, den falschen Weg gelaufen, und stehen in einer Sackgasse. Also drehen wir um und nehmen den anderen Abzweig in der Hoffnung, dass es diesmal der richtige ist. Es geht in langen Schleifen bergan und nach kurzem Aufstieg stehen wir auf unserem ersten Gipfel 1567 m hoch, Ortzanzurieta und genießen einen wunderbaren Rundumblick.

Ein weiterer Blick, diesmal in unsere Karte, verrät , dass wir auch hier falsch sind; schade, aber nicht schlimm. Wir frühstücken erst einmal im Sonnenschein. Das Wetter ist herrlich, der Himmel wolkenlos und natürlich blau, was sonst. Nach kurzer Rast machen wir uns wieder auf den Weg. Nach der Devise „Aller guten Dinge sind drei“ wird uns nun der nächste Abzweig auf den richtigen Weg bringen und so ist es auch. Als wir sehen, dass man zunächst ein Stück auf dem Jakobsweg, GR65, in Richtung St. Jean muss, machen wir Scherze, dass wir die zwei Jungs aus Mönchengladbach wieder treffen könnten. Aber, so denken wir dann, müssten die zwei ja mitten in der Nacht aufgebrochen sein, wenn sie uns begegnen sollten, bevor wir zum Abzweig kommen, wo sich der GR11 wieder vom GR65 trennt. Kaum haben wir unsere Gedanken ausgesprochen, da stehen uns die beiden auch schon gegenüber und berichten, dass sie schon um vier Uhr in der Frühe aufgebrochen sind. Natürlich haben sie sich auch echte Pilgerstöcke zugelegt, die man in St. Jean kaufen konnte. Wir wünschen uns gegenseitig eine gute Reise und verabschieden uns wieder, diesmal endgültig. So scheint auch der Satz „Man trifft sich im Leben mindestens zwei mal“ zu stimmen. Von nun an begegnen wir immer mehr Pilgern, erst einzelne, dann paarweise manche auch auf dem Rad und schließlich schieben sich ganze Scharen über den Weg mit dem Ziel Santiago de Compostela, was in ungefähr 800 km Entfernung liegt. Dort wo sich nun unser Weg vom Jakobsweg trennt hat sich eine kleine Gruppe junger Frauen am Wegesrand niedergelassen, um sich gegenseitig mit Massagen Erleichterung zu verschaffen. Die Masseurin ist recht ansehnlich und ich verspüre auch schon Verspannungen im Rücken und überhaupt. Ob sie mir wohl auch helfen würde? Aber wir sind standhaft und ziehen weiter. Soweit sich der Jakobsweg von dieser Stelle aus überblicken lässt, ziehen Pilger um Pilger über den Camino, ein Strom der nicht abzureissen scheint.

Kaum sind wir die ersten Meter auf unserem weiteren Weg gegangen da lächelt uns ein skelettierter Tierschädel entgegen. Na wenn das nicht Mut macht. Hoch am Himmel ziehen Greifvögel ihre Kreise, sie sehen recht groß aus, so denken wir, dass es wohl Adler sein müssen. Vorbei an grünen Wiesen gelangen wir an eine Weggabelung am Fuße einer kleinen Bergkuppe, wo eine kleine Pferdeherde, frei, grast. Als wir näher kommen, suchen die Fohlen bei ihren Müttern Schutz. Die Tiere sind allerdings nicht wirklich wild denn einige von ihnen tragen Glocken um den Hals. Aber der Anblick von solchen Pferden, scheinbar frei, in dieser Kulisse ist schon sehr beeindruckend, zumindest für uns. Nachdem wir der Herde, ausgiebig beim grasen, zugeschaut haben und, ziehen wir wieder weiter.

Nach einiger Zeit führt uns unser Weg auf einen Waldrand zu, wo es eine kleine Quelle gibt. Anschließend gelangen wir in ein sehr schönes und malerisches Tal. Und auch hier bietet sich uns wieder ein toller Anblick. Auf den Höhen kann man Kühe beim Weiden sehen, und ein Stück davon entfernt steht auch wieder eine Herde von Pferden. Das Terrain ist sehr weitläufig und man glaubt, dass es den Tieren richtig gut geht. Weiter unten fließt ein Bach durch das Tal, eine Stute steht, abseits von ihrer Herde, am Wasser und bei genauerem Hinsehen entdecken wir, dass die Stute dabei ist zu fohlen, oder heißt es bei Pferden auch kalben? Die Fruchtblase ist schon geplatzt. Natürlich wäre es schön, der Geburt eines Fohlens in freier Natur beizuwohnen, aber da wir nicht wissen, wie lange sich so Ereignis dauern kann, beschließen wir weiter zu gehen. Eine nette ältere Dame, die sich am Wegesrand niedergelassen hat, weist uns den Weg. So gelangen wir, nach einigen Kilometern, auf einer abschüssigen Straße, an eine historische Fabrikanlage (Fabrica de armas de Orbaitzeta). Erstmals erwähnt 1432, eventuell zur Herstellung von Kanonenkugeln. Später Kohlenmine, sowie eine Fabrik, für Waffen und Munition, die von 1784 - 1873 in Betrieb war.(Angabe nicht sicher). Es gibt auch noch einige andere Gebäude an diesem Ort, unter anderem eine alte Kirche. Als wir näher kommen um einen Blick in ihr Inneres zu werfen, stellen wir fest, dass man sie zu einem Viehstall umfunktioniert hat. Im anliegenden Hof wird Schafskäse hergestellt und natürlich auf verkauft. Nach kurzer Geschmacksprobe erwerben wir ein Kilo für sagenhaft günstige 14,00 € . Auf unserem Weg hierhin hat uns die hilfreiche Dame, wohl mit ihrem Mann, im Auto, überholt und als wir nach dem weiteren Wegverlauf fragen, wird uns wieder sehr nett geholfen, diesmal von ihrem Mann. Er empfiehlt uns eine Albergue in der Nähe wo wir zu Mittag essen könnten und auch ein Zeltplatz wäre in der Nähe.

Also machen wir uns auf den Weg und finden nach einiger Zeit die Herberge. Es sieht alles sehr sauber und gepflegt aus, im Gegensatz zu uns. Wir sind nämlich in der Mittagshitze mächtig ins Schwitzen geraten, kommen aber, genau zur richtigen Zeit zum Mittagstisch, leider wird draußen nicht serviert. Also gehen wir in den Speiseraum, der um diese Zeit gut besetzt ist. Nachdem wir uns den Bauch so richtig vollgeschlagen haben, machen wir erst einmal Siesta. Nach der kurzen Ruhepause erstehen wir noch zwei Stangenbrote und machen uns auf die Suche nach dem Zeltplatz, auf den wir dann nach 2 km stoßen.

Es sieht ganz nett aus, zwar direkt an der Straße, aber die ist, glücklicherweise, nicht stark befahren. Es gibt einen Bach, Toiletten und Trinkwasser mehr brauchen wir nicht, also bleiben wir und schlagen unser Zelt unter einer riesigen Buche auf. Nachdem alles gerichtet ist, steht erst mal Körperpflege auf dem Programm. Das Wasser im Bach lädt zu einem Bad ein und nach kurzer Suche ist auch eine geeignete Stelle gefunden. Das Wasser ist sehr erfrischend, und es tut gut sich den Schweiß abzuspülen. Nun widmen wir uns unserer Wäsche. Und nachdem wir sie zum trocknen aufgehangen haben, beschließen wir, noch einmal zum Albergue zurück zu gehen, um uns mit Rotwein für den Abend zu versorgen. Kurz zuvor treffen wir einen Deutschen, der mit seinem Wohnmobil auf auf dem Platz steht. Er bittet uns, ihm etwas Brot mitzubringen und lädt uns anschließend auf ein Glas Rotwein ein.

Der Rotwein kostet 4 € die Flasche, also nehmen wir gleich drei, da kann man schließlich nicht wiederstehen. Nachdem wir wieder zurück am Zeltplatz sind, lassen wir uns gemütlich bei Andreas, so heißt der Deutsche, und seiner Frau Tina, nieder. Wir teilen Rotwein, Käse und Brot, während wir so über Dies und Jenes plaudern. Auch ihr Hund Lucy, ergattert das ein oder andere Stück Käse. Später am Abend kommt auch der Platzwart in einem klapprigen Auto vorbei. Natürlich wissen wir, dass er die Gebühr kassieren will, aber wir lassen ihn erst noch ein wenig im Ungewissen zappeln und laden in auch auf ein Gläschen ein. Zuerst will er nicht; aber als wir unsere Gebühr von je 2 € bezahlt haben, lässt er sich doch auf ein Glas einladen. Als es langsam dunkel und auch kühl wird, werden wir noch ins Wohnmobil eingeladen, da wir uns gerade in netter Unterhaltung befinden. Drinnen bewundere ich die relativ großzügige Einrichtung. Großes Bett, Kühlschrank, Herd und eine Sitzecke, an der wir uns gemütlich niederlassen; Andreas hat den Bus selbst umgebaut. Als wir endlich schlafen wollen, ist es schon Nacht geworden. Aus ein paar Gläschen Wein sind irgendwie 7 – 8 Flaschen geworden. Wir tauschen noch schnell unsere Adressen und wünschen eine gute Nacht.

Tag 3 17.07. Zeltplatz Arazola - Refugio im Nebel

 

 

Über Nacht hat es geregnet, was ja nicht schlimm wäre, hätten die Schuhe von Thomas im Trockenen, der Apsis, gestanden. Aber ansonsten geht es uns gut, nein kein Brummschädel; muss an der frischen Luft liegen. Während wir uns fertig machen, zieht schon eine kleinere Wandergruppe, eingehüllt in Regenkleidung und Schutzhüllen, den Weg entlang. Als auch wir aufbrechen, nieselt es nur noch, aber auch wir haben Regenschutz angelegt. Andreas ist auch schon auf den Beinen, sodass man sich nochmals verabschiedet. Als wir an der Hütte des Platzwartes vorbeikommen versorgt uns dieser noch mit Informationen für unsere heutige Etappe.

Zunächst führt uns der Weg über eine Betonstraße, die Höhen sind alle nebelverhangen, ab und zu taucht eine Schafherde aus den Schwaden auf, deren Glockengeläut uns noch eine Weile begleitet bevor wir an einen Stausee (Embalse de Irabia) gelangen. Leider gibt es hier keinen wirklich schönen Platz zum Rasten. Die Staumauer wird überquert, und es gibt eine kleine Verpflegungspause. Anschließend geht es eine ganze Weile an dem betonierten Ufer des Stausees entlang, der mit vielen Windungen, weit in die Landschaft greift. als wir ihn hinter uns lassen, führt uns der Weg noch einige Kilometer durch ein Waldstück. Wir gelangen an einen schönen Wanderrastplatz bei Casas de Irati. Es gibt frisches Wasser, Bänke und Tische, an denen einige Wanderer rasten. So machen auch wir eine ausgiebige Pause, bevor es weiter geht. Thomas entledigt sich seiner Ersatzschuhe in denen er zwar heute, bis hierhin gelaufen ist, die ihm aber nicht recht passen. Die Karte zeigt ca. 600 Höhenmeter für die nächsten 6 km. Das hört sich anstrengend an und ist es dann auch, zu mindestens für uns. Wir müssen ganz schön ackern und kommen nur langsam, auf dem durchnässten Weg vorwärts. Die Kilo auf unseren Rücken wollen vielleicht gar nicht mit hinauf? Schwärme von Fliegen umkreisen uns wie wild, aber als wir höher kommen und es neblig und kühler wird, geben sie endlich auf, uns zu verfolgen. Der Nebel nimmt zu, und wir müssen uns bemühen die Wegmarkierungen zu finden. Aber nach kurzem Umherirren sehen wir zum Glück, schemenhaft das Refugio. Man kann hier oben nur noch die Hand vor Augen sehen. Der Begriff Refugio bedeutet übersetzt Zufluchtstätte, und mehr ist es in diesem Fall wirklich nicht. Es besteht aus zwei verwahrlosten Räumen, einer davon sogar mit offenem Kamin, leider total verunreinigt. Der andere Raum sieht auch nicht gerade einladend aus. Nach kurzer Überlegung beschließen wir trotzdem, hier zu übernachten, denn es ist schon Abend und außerdem zu nebelig, um das nächste Dorf, gut drei Wegstunden entfernt, noch zu erreichen. Wir kehren den Boden, um uns notdürftig einzurichten. Thomas hat sich sofort zum Schlafen hingelegt und ich nutzte die Gelegenheit um noch ein wenig zu schreiben. Gestern bin ich wegen des gemütlichen Abends bei Andreas und Tina nicht dazu gekommen. Es ist Saukalt und ich danke, in Gedanken, meiner Nachbarin Ute, die mir einen kleinen Flachmann mit Füllung mit auf die Reise gegeben hat. Daraus nehme ich noch einen Schluck, und als es mir wärmer wird, versuche ich auch zu schlafen. Bis morgen.

 

 

Tag 6 (noch nicht)

 

Heute ist schon Sonntag wir sind in Isaba und ich muß die letzten beiden Tage wieder nachtragen, da ich wieder nicht dazu gekommen bin. Also fahre ich mit dem vierten Tag unserer Wanderung fort.

 

 

Tag 4 18.07. Refugio - Ochagavia

 

 

Die Nacht in unserer Unterkunft war sehr ungemütlich. Bei offener Tür und kaputtem Fenster weht der kalte Wind die ganze Nacht hinein. Als ich in der Morgendämmerung aufstehe und aus der Hütte trete, hat sich der Nebel fast ganz verzogen. Man kann schön ins Tal schauen, von dem wir am Abend zuvor nichts erkennen konnten. Jetzt sieht man, dass es etwa 20 Meter vor der Hütte steil, einen Abgrund über die Felsen, hinunter geht. Gut, dass wir gestern nicht weiter gegangen sind. Links kämpfen sich die ersten Sonnenstrahlen über die Bergkulisse, und von rechts her strahlt der Mond noch wunderschön von einem dunkelblauen Morgenhimmel herab.

Während wir die schöne Aussicht genießen, bläst der Wind schon wieder die ersten Nebelschwaden über den Kamm. Wir befürchten, dass, wenn wir nicht sofort aufbrechen, der Weg wieder im Dunst verschwindet. Schnell machen wir uns auf, alles einzupacken, Thomas verewigt uns noch auf der Hüttenwand, noch kurz die Zähne geputzt, so viel Pflege muss schon sein und dann nichts wie los; talwärts, an dem steilen Abhang vorbei, in Richtung Ochagavia. Wir haben Schwierigkeiten die rot-weißen Markierungen zu finden, sie sind hier nur spärlich vorhanden. Doch je weiter wir kommen, um so besser wird der Weg und auch seine Markierungen. Die Sonne schickt ihre ersten Strahlen über die Berge und erleuchtet zunächst nur die gegenüberliegende Seit des Tales, währen wir noch im Schatten der Berge laufen.

Eine Herde von ungefähr 30 Wildpferden mit Leithengst, Stuten und Fohlen stehen unweit unseres Weges im Hang, um in der Morgenfrische das taufrische Gras und andere Leckereien, abzuweiden.

 

Es könnte sich um Pottok-Ponys handeln sicher bin ich natürlich nicht, bin ja auch kein Experte. Aber Größe, Farbe und Wuchs und die Tatsache das es in den Pyrenäen beheimatet ist, lassen die Schlussfolgerung zu.

 

Das Pottok-Ponys ist eine alte, seltene Rasse aus dem Baskenland. Hier sind sie auch unter dem Namen „Poni Vasco Navarro“ bekannt. Pottok waren eine lange Zeit für die Bauern ein "Nebenprodukt" der Berge. Dort lebten sie in Herden, sich selbst überlassen. Einmal im Jahr wurden sie zusammen getrieben und aussortiert. Neben der Verwendung als Reit- und Fahrponys, wurden sie oft für den Schmuggel zwischen Frankreich und Spanien eingesetzt, mussten in den Kohlebergwerken die Wagen ziehen. Noch immer werden sie als Fleischlieferant genutzt, sie werden aber auch zum Vergnügen gehalten und in der Freizeitgestaltung eingesetzt. Man trifft sie jedoch auch in allen Bereichen des Pferdesports, wo sie ihre Leistungsfähigkeit am besten unter Beweis stellen können, wie diverse gewonnene Meistertitel zeigen.

Auf jeden Fall ist es einfach überwältigend, diesen Tieren hier auf freiem Gelände zu begegnen. Wir schlagen einen Bogen um die Herde und hoffen, dass sie mit dem Abstand zufrieden sind, denn man sieht deutlich, dass der Hengst ein Auge auf uns hat. Weiter unten finden wir einen schönen Platz zum Rasten, umgeben von großen Buchsbäumen. Da die Sonne jetzt auch bei uns scheint und es schon sehr warm geworden ist, genießen wir unser Frühstück lieber im Schatten. Gut gestärkt und ein wenig ausgeruht nehmen wir unser Gepäck wieder auf, um uns auf den Weg nach Ochagavia zu machen. Immer wieder halten wir inne um die Landschaft zu bestaunen, als plötzlich ein Adler auf Augenhöhe und einer Entfernung von nicht mehr als fünfzig Meter, an uns vorbei fliegt; wow! Bevor ich meine Kamera aus der Tasche gefummelt habe, ist er schon im Hintergrund der grün bewaldeten Berge nicht mehr auszumachen und ich stecke sie wieder ein. Genau in diesem Moment kommt der zweite angesegelt und es ergeht mir wie beim Ersten, ich bekomme kein Bild, schade. Der Weg schlängelt sich nun abwärts, eng vorbei an dornigem Gestrüpp und Buchsbäumen. Als sich der schmale Pfad wieder verbreitert, gelangen wir an eine Scheune, wo wir kurz verschnaufen. Zunächst kommen wir an Hinweistafeln vorbei, wo Fauna und Flora des Gebietes beschrieben wird. Es gibt hier Steinpilze, nur zur Zeit leider nicht. Weiter unten kommen wir an einer Kirche vorbei wo es frisches Wasser gibt so das wir unsere Trinkflaschen wieder auffüllen können. Die Kirche ist leider abgeschlossen, sodas wir leider keinen Blick hineinwerfen können. Der weitere Abstieg besteht aus dem Kreuzweg, der von Ochagavia zur Kirche führt, und so haben wir unser Tagesziel erreicht. Der Ort ist viel größer, als wir gedacht haben. Es gibt mehrere Geschäfte und sogar eine Tourist-Info, wo wir uns nach einem Zeltplatz erkundigen. Wir kaufen noch etwas Verpflegung und Wein, bevor wir zum Campingplatz gehen. Die Anlage ist groß und sieht sehr gepflegt aus, sodas wir uns auf eine ordentliche Dusche freuen. Kurz nachdem wir uns angemeldet haben, läuft mir Tina, unsere Bekanntschaft von Vorgestern, über den Weg. Sie freut sich auch über das schnelle Wiedersehen und lädt uns ein, nachher bei ihnen vorbei zu schauen. Zuerst duschen wir aber ausgiebig und halten Waschtag, denn die Sonne steht noch hoch und die Chance, das die Klamotten noch trocknen, ist gut. Anschließend schnappen wir uns eine Flasche Wein, um der Einladung zum Kaffee zu folgen. Im Schatten der Bäume lassen wir es uns gut gehen, und wir beschließen, zum Abend im Dorf gemeinsam Essen zu gehen. Als wir später dort ankommen, müssen wir leider feststellen, das Hunde in den Speiseräumen nicht gestattet werden. Aber am Campingplatz gibt es auch ein kleines Restaurant, wohin wir dann gehen. Der Speiseraum befindet sich auf der ersten Etage, wo leider alle Tische besetzt sind. Doch obwohl die Küche unten liegt und alle Speisen die Treppe hoch getragen werden müssen, wird unten an den Tischen nur eine kleine Imbisskarte gereicht. Verstehen muss man das nicht, aber wir nehmen, was wir kriegen können; denn mittlerweile haben wir Hunger. Das Essen besteht aus Fritten, Salat und Sandwiches und ist zu teuer, die Bedienung, einfach zu dumm; worauf ich hier nicht weiter eingehen möchte.

Als Absacker nehmen wir draußen, mit einer kleinen Gruppe Spanier, noch einen Whisky. Trotz unserer spärlichen Mahlzeit sind wir gut gelaunt, schließlich sind wir ja im Urlaub, besonders Tina, die nach einigen Bierchen immer lustiger wird. Es gibt ein Bruderpaar in der Gruppe, der eine ist Lehrer, war viel in den Bergen unterwegs und ist mit dem Motorrad von Skandinavien bis ans Mittelmeer gefahren. Der andere hat den Camino nach Compostela, schon mit dem Fahrrad bewältigt. Man erzählt noch so von der ein, oder andere Reise die man schon gemacht hat und tauscht Erfahrungen aus. Als es ein Uhr ist sagen wir gute Nacht. Andreas stellt uns für den nächsten morgen noch einen Kaffee in Aussicht, für den Fall das er schon auf ist, bevor wir aufbrechen.

 

 

Tag 5 19.07. Ochagavia - Isaba

 

 

Wir haben gut geschlafen und als wir aus dem Zelt schauen ist der Himmel blau und wolkenlos, es wird bestimmt ein sehr schöner und auch sehr warmer Tag. Als wir unser Zelt abschlagen und die Rucksäcke packen, stelle ich fest, dass mir die Karte mit der gestrigen und heutigen Etappe abhanden gekommen ist; wahrscheinlich ist sie mir aus der Beintasche gerutscht. Wir sind aber guter Dinge, den Weg trotzdem zu finden. Zur Sicherheit mache ich von den anderen Karten schnell Fotos, damit man sich ein wenig orientieren kann, falls ich noch mehr Karten verliere. Bevor wir losgehen schauen wir noch auf einen Kaffee bei Andreas und Tina vorbei. Nachdem wir uns verabschiedet haben, machen wir uns auf den Weg. Am Ortsausgang finden wir auch schnell die erste Markierung, und als wir auf die Uhr schauen ist es schon 12 Uhr. Geplant hatten wir ursprünglich, das wir morgens laufen, mittags, in der Hitze, ruhen und dann am Nachmittag weiterlaufen. So viel zu den guten Vorsätzen. Wir laufen jetzt in der denkbar ungünstigsten Tageszeit; im Hochsommer mit über 20 kg Gepäck, aber was solls. Der Weg ist schön breit mit einer stetigen Steigung, die aber erträglich ist. Wir gehen teils durch beschatteten Weg meistens aber durch die pralle Sonne, und so legen wir gegen zwei Uhr eine kleine Siesta ein. Anschließend führt uns der Weg immer weiter bergauf, wir kommen heute auf 1500 Meter Höhe. Die Steigung nimmt langsam ab; zur Linken schaut man auf eine schöne Bergkulisse, die in weiter Ferne liegt. Wir glauben sogar Schnee erkennen zu können und hoffen, dass uns unsere weiteren Wege nicht dorthin führen mögen. Immer wieder kommen wir an schönen, bunten Blumenwiesen und Wäldern mit mächtigen Kiefern vorbei. Die Luft ist vom Duft, der Blüten, Kräuter und Bäume, erfüllt. Beim Wort Luft fällt mir wieder ein, dass wir bei der ersten Trinkpause der heutigen Wanderung einen Schwarm Greifvögel am Himmel entdeckt haben. Es müssen so um die 30 Vögel gewesen sein, aber warum sie sich versammelt haben, müssen wir zu hause mal einen Experten fragen. Auf der Kuppe einer Erhebung angekommen, legt Thomas sich unter eine alleinstehende Kiefer und bestimmt; dies sei ein magischer Ort, den man auf sich wirken lassen muss.

Ich pflichte im bei, und wir nehmen, während wir im Schatten des Baumes liegen, die Landschaft in uns auf. Wir stärken uns noch mit Käse, Brot und Schinken, bevor wir weitergehen. Der Weg windet sich durch die Landschaft, wir kommen an einem einzelnen Pfosten vorbei, direkt daneben liegt irgend ein Schild am Boden. Ich widerstehe der Versuchung hinzugehen um einen Blick darauf zu werfen, was ein Fehler war, wie sich später herausstellt. Denn einige Kilometer weiter kommt uns ein Schäfer in seinem Auto entgegen. Als er bei uns anhält nutzen wir natürlich die Gelegenheit nach dem Weg zu fragen. Die Info lautet leider, dass wir den Weg verpasst haben. Wir überlegen, was wir nun machen wollen, da es langsam Abend wird. Wir bleiben noch unschlüssig und gehen noch ein Stück weiter, da wir hoffen vielleicht im nächsten Tal, Valle de Roncal, abzusteigen, um dann am nächsten Tag zum eigentlichen Etappenziel, nämlich nach Isaba, zu kommen. Als uns wieder ein Schäfer, diesmal mit gesamter Familie, im Auto auf unserem Weg entgegenkommt, versuchen wir nochmals, genau nach dem Weg zu fragen und bekommen hilfreiche Anleitung. Wir schätzen, wie lange es wohl noch hell bleiben mag und beschließen dann umzukehren, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Nach ungefähr einer halben Stunde haben wir den Schäfer mit seiner Familie, der dabei ist seine Schafherden einzupferchen, eingeholt. Er ist wirklich sehr nett und hilfsbereit und bietet an uns mit dem Auto bis zur Weggabelung zu bringen, denn bis dahin wären es noch einige Kilometer. Dankbar nehmen wir an und steigen ein. Aus dem Auto heraus sehen wir wie eine Schafherde, von Hunden, zusammen getrieben wird. Ein Bock stellt sich auf die Hinterbeine, um die jungen Blätter eines Buchsbäumchens abzufressen. Fast zur gleichen Zeit kommt aus einem Nebental eine Pferdeherde bergauf gelaufen um zur höher gelegenen Wasserstelle zu kommen. Ein wirklich toller Anblick. Er fährt uns, wie sollte es anders sein genau bis zu der Stelle, wo das Schild auf dem Boden liegt. Als ich hinschaue, steht selbstverständlich GR11 darauf. Wir bedanken uns vielmals bei dem netten Schäfer, der uns noch eine gute Reise wünscht und sagen Adios.

Jetzt, wo wir vom breiten Weg fort sind, setzt sich der GR11 als schmaler Pfad fort, daher sind wir auch nicht auf den Gedanken gekommen, dass wir auf dem falschen Weg sein könnten. Eigentlich wollen wir nur noch ein kleines Stück auf dem Weg gehen, um nach einem geeigneten Zeltplatz Ausschau zu halten. Eine schöne Wiese, direkt am Waldrand gelegen, scheint mir ein schöner und geeigneter Platz zu sein, doch Thomas möchte noch ein Stückchen weitergehen um einen noch besseren Platz zu erreichen an dem, so hofft er, wir am nächsten Morgen von der Sonne geweckt, dann das Panorama auf die, uns gegenüberliegende, Bergkette im Osten genießen können. Die Idee war nicht schlecht, doch leider kommt uns die Landschaft und der Weg, unseren Wünschen nicht entgegen. Wir gehen zuerst durch einen verwunschenen Märchenwald aus dünnen, krummen Buchen die sehr eng beieinander stehen. Der Weg führt steil bergab, der Wald wird unten zwar etwas lichter, aber ein schöner Zeltplatz kommt nicht mehr in Sicht. Der Weg ist mit Farnen und Gestrüpp dicht zugewachsen, sodass das Weitergehen recht mühselig ist. Dann kommen wir abwechselnd durch dunkle Waldstücke und dichtes Gestrüpp. Das Gefälle ist sehr extrem, wir können nur sehr langsam gehen und auch das Tageslicht nimmt immer weiter ab, sodass wir erleichtert sind, als wir auf eine Kirche oberhalb von Isaba stossen. Sie ist wunderschön gelegen und das gesamte Anwesen rundherum sehr gepflegt mit vielen Blumen. Es gibt Bänke, Obstbäume im Garten und eine schöne Wiese. Leider ist das Zelten hier nicht erlaubt, und wir wollen auch nicht riskieren, uns am nächsten Morgen mit den Dorfbewohnern anzulegen, die Sonntags, also morgen, bestimmt zur Kirche kommen. So gehen wir hoffnungsvoll weiter hinunter ins Dorf, um noch eine Herberge zu finden. Endlich in Isaba angekommen weisen uns drei Señoras den Weg zu einer Albergue, die sich als Jugendherberge entpuppt und uns glücklicherweise noch aufnimmt. Wir sind beide sehr froh, denn es sind mittlerweile schon 22:30 Uhr. Wir duschen ausgiebig und gehen, obwohl der Tag so anstrengend war, noch auf einen Schlummertrunk in eine Bar. Dort nehmen wir am Tresen Platz und spülen den Staub des Tages, erst einmal mit ein, zwei Bier hinunter. Anschließend entscheiden wir uns für einen Sherry. Es ist ein Sherry Fino – Tio Pepe, er schmeckt ganz hervorragend und gehört ab sofort auch in meine Bar. Bevor wir schlafen gehen rauchen wir noch eine und plaudern vor der Türe mit dem Lehrer der Jugendgruppe, die auch hier wohnt.

 

 

Tag 6 20.07. Isaba – Ruhetag - Isaba

 

 

Nach vier Nächten auf der Isomatte und einer sehr anstrengenden Wanderung am Vortag, haben wir die Nacht in einem warmen Bett und einem Dach über dem Kopf sehr genossen. Gegen halb zehn stehen wir auf, damit wir noch frühstücken können es ist zwar spärlich, aber für eine Jugendherberge und den Preis von 3 € durchaus ok. Nach dem Frühstück wollen wir ein wenig den Ort erkunden. Am Fuß des Belagua-Tals, am Ufer des Flusses Esca und umgeben von unwegsamen Bergen liegt diese noble Ortschaft. Wir schlendern durch sehr gepflegte Gassen und sehen an vielen Häusern Hinweise auf Fremdenzimmer. Auch hier gibt es eine kleine Tourist-Info, einige Restaurants, kleinere Bars und sogar mehre Hotels; eins davon sogar mit Freibad. Die meisten Eingangstüren der Häuser sind mit aufwendig gearbeiteten, schweren und teils auch sehr alten Holztüren ausgestattet, die meist mit schweren Rundbögen eingefasst sind. In der Mitte des Dorfes erhebt sich die majestätische Wehrkirche San Cipriano aus dem 16. Jahrhundert. In ihrem Inneren gibt es nur einige kleinere Fenster ganz weit oben, sodass es sehr düster und bedrückend auf uns wirkt. Nachdem wir uns kurz umgeschaut haben, gehen wir schleunigst wieder nach draußen. Wir kommen an einem schön gemauerten Brunnen vorbei, wo aus drei Läufen frisches Quellwasser sprudelt. Es ist der Uturrotx-Brunnen, auf dem die Geschichte des Tals in Stein gehauen, dargestellt ist. Wir trinken... das Wasser ist unglaublich erfrischend und angenehm kühl und, wie uns später ein Mitbewohner aus unserer Herberge versichert, auch sehr gesund! Nachdem wir das Dorf ausgiebig durchlaufen haben und noch das ein oder andere Detail an den Häusern bewundert haben - von aufwendigen Mosaikverzierungen der Innenhöfe und Wege, über bunt angemalte Blumentöpfe, Türbögen die mit Silberdisteln geschmückt sind (bei uns stehen sie unter Naturschutz), bis zu ummalten Fenster- und Türlaibungen, - kehren wir zurück zum Dorfplatz.

Die Dachplatanen, die hier stehen spenden angehmen Schatten, sodass wir uns auf den Bänken darunter niederlassen, um die Zeit bis zum Mittagessen verstreichen zu lassen. Thomas geht in die Bar, die wir schon am Abend zuvor aufgesucht hatten, um uns schon mal einen kleinen Aperitif, in Form von Sherry und ein paar Oliven, zu besorgen. Ein wenig später tauchen ein paar Jugendliche aus unserer Herberge auf. Sie haben eine Gitarre dabei, die sie Thomas gerne ausleihen, denn er hat sie schon in der Albergue mit seinem Spiel begeistert. Es geht uns prächtig und wir genießen den Tag, Thomas spielt Gitarre, während ich meine Notizen hier vervollständige. Als Thomas die Gitarre zurück gibt, und ich die Dorfstraße hinunterschaue, sehe ich wie ein orangefarbenes Mercedes-Mobil um die Kurve verschwindet. Das können eigentlich nur Andreas und Tina gewesen sein, denn so einen Wagen gibt es eigentlich nicht zwei mal. Wir versuchen noch sie über Handy anzurufen, bekommen aber leider keine Verbindung; schade, wir hätten uns gefreut, das Pärchen wiederzutreffen. So gegen halb drei gehen wir etwas Essen, es ist schlicht, aber auch preiswert; das Menü, alles eingeschlossen für 11,50 €. Anschließend halten wir Siesta. Am späteren Nachmittag schlendern wir gemütlich rüber zum Dorfplatz, um dem Treiben dort ein wenig zuzusehen. Während ich wieder an meinem Bericht weiterschreibe, setzt sich zu Thomas ein älterer Herr, mit dem er schon am Vormittag einige Worte gewechselt hat. Er ist Professor für romanische Sprachen und hat seit seiner Jugend in Amerika gelebt und dort auch gelehrt. Die beiden unterhalten sich nett und ich sehe den Professor schmunzeln als Thomas ihm sagt, das er selbst auch Lehrer ist. Wir erfahren das es hier in der Gegend zwar einen Bären geben soll, man ihn aber schon länger nicht mehr gesehen habe. Das Dorf lebt hauptsächlich vom Tourismus, der dieses Jahr auf nicht erklärbare Weise ausbleibt, was für das Dorf natürlich eine Katastrophe ist. Man unterhält sich noch ein wenig, und später gehen wir noch mal kurz ins Albergue um uns frisch zu machen und im Anschluss dann zu Abend in ein Restaurant zu gehen. Auch hier sind die Preise sehr moderat, die Flasche Wein am Tisch für 3,50 €. Anschließend gehen wir zu Bett, um wieder fit für den nächsten Tag zu sein.

 

 

Die letzten Pyrenäenbären

 

Im Mittelalter existierte eine große Bärenpopulation in der gesamten Gebirgsregion zwischen Spanien und Frankreich, die dann allerdings nach und nach in einzelne Kerngruppen zerfiel. Heute leben nur noch sieben Tiere in den westlichen Pyrenäen. Sie halten sich im Aspe- und Ossautal (Frankreich) sowie in angrenzenden Gebieten von Aragón und Navarra auf und pflanzen sich - ähnlich wie die letzten Brenta-Bären im italienischen Trentino - seit Jahren nicht mehr fort.

Mit großem finanziellen Aufwand wird versucht, Bären aus Slowenien wieder in den Pyrenäen anzusiedeln. Dort stoßen die "neuen" Bären nicht nur auf uneingeschränktes Wohlwollen. Die Gemeinden, vor allem auf spanischer Seite, wurden nur ungenügend in das Wiederansiedlungsprojekt eingebunden. Kein Wunder, dass Bären in den Pyrenäen heute nicht nur mit dem Verlust ihres Lebensraumes, sondern auch mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen haben. Ob die Pyrenäen in absehbarer Zeit wieder zu einer lebendigen Bärenheimat werden, ist noch nicht absehbar.

 

 

Tag 7 21.07. Isaba - Zuriza

 

 

Unser heutiges Tagesziel heißt Zuriza, wo es laut Karte einen Campingplatz gibt. Wir stehen so gegen acht, halb neun auf, packen unsere Sachen und gehen erst mal zum Frühstück. Anschließend begleichen wir die Rechnung, schultern unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg. Nach kurzem hin und herlaufen im Dorf, wir trinken noch einen Kaffee, weißt uns ein älterer Herr den richtigen Einstieg in unseren Weg. Der führt uns bei leichter Steigung zunächst durch ein schmales Tal. Wir müssen laut Karte immer in der Nähe des Wasserlaufs bleiben und steigen dabei eine kleine Klamm hinauf, aber wir sehen weder Wasserfälle noch Gumpen nur das Tosen des Wassers begleitet uns. Weiter oben, als wir aus dem Wald kommen öffnet sich das Tal und gibt den Blick frei auf bunte Blumenwiesen, auf denen vereinzelt Buchsbäume und Kiefern stehen, was sehr malerisch aussieht. Ein Stück weiter entdecken wir ein großes Zeltlager und da unser Weg genau durch das Lager führt, können wir auch sehen welcher Art das Lager ist. Allerdings müssen wir zuvor noch den Bach, auf einer, wohl von den Campbewohnern, selbstgebauten Brücke, überqueren. Es sind Kinder im Alter von ungefähr 8 – 12 Jahren die, als wir vorbeilaufen, im Schatten unter den Bäumen sitzen. Sie haben sich in kleinere Gruppen aufgeteilt und bauen unter der Anleitung ihrer Betreuer Pfeil und Bogen. Wie es uns gefällt legen wir zwischendurch immer wieder kleinere Pausen ein, um uns zu stärken und die Landschaft zu genießen. Später kommen wir noch an einem weiteren Jugend-Camp vorbei, wo die Teilnehmer schon im Teenager-Alter sind. Wir freuen uns, dass es auch noch Jugendliche gibt, die nicht nur vor der Glotze verblöden. Unser Tempo ist heute sehr gemächlich, denn die heutige Etappe ist nicht sonderlich lang, da bleibt mehr Zeit, sich die Landschaft ausgiebig anzuschauen. Am Ende der heutigen Strecke müssen wir den Bachlauf verlassen, und das letzte Stück des Weges hält noch eine schöne Steigung für uns bereit. Zum Glück führt sie durch einen schattigen Wald, denn in der Sonne sind es bestimmt über 30 ° C . Als wir wieder aus dem Wald heraustreten, überqueren wir die regionale Landesgrenze und verlassen Navarra. Herzlich willkommen in Aragón.

Wir gelangen wieder in ein breites Tal, welches von hohen Bergen umsäumt ist, die teilweise auch den Blick in andere Täler freigeben. Entlang des Weges stehen einzelne blaue Schwertlilien und weiter unten im Tal können wir schon unser Ziel erkennen, Zuriza; Campingplatz und Albergue. Beim Näherkommen stellen wir fest das es sich um eine recht große Anlage handelt, sodass wir uns wahrscheinlich an einer Dusche erfreuen können. Als wir dann an der Rezeption ankommen, erfahren wir das es außerdem noch eine Bar, ein Restaurant und sogar einen kleinen Supermarkt gibt. Was will man mehr. Nun ja, vielleicht noch einen Whirlpool und eine Massage aber es wird wohl auch so gehen. Wir schlagen zuerst unser Zelt auf und machen uns gleich daran, uns selbst und unsere Wäsche zu waschen. Man muss darauf achten, das die nassen Sachen noch trocknen können. Doch wir sind optimistisch, denn die Sonne scheint bestimmt noch einige Stunden und es geht auch ein leichter Wind. Während Thomas duscht, bereite ich uns noch einen kleinen Imbiss, es gibt einen kleinen Rest Chorizzo, für Tom noch etwas Tomaten, Paprika und Brot. Später, als wir die Anlage und die nähere Umgebung in Augenschein nehmen, lernen wir eine deutsche Familie, mit zwei süßen Töchtern im Alter von 3 und 5 Jahren, kennen. Sie kommen aus Köln und haben in Schuld an der Ahr geheiratet. Die Welt ist ein Dorf. Kurz darauf treffen wir sie am Bachlauf, unmittelbar beim Campingplatz, wieder. Die Kleinen fangen kleine Kröten und Kaulquappen, und Thomas zeigt ihnen, wie man Steine übers Wasser springen lässt. Wir kehren zum Zelt zurück, um ein wenig zu ruhen und planen schon mal für den nächsten Tag. Wir wollen noch einen weiteren Tag hier verbringen, um morgen auf einen kleinen Gipfel zu gehen, wo es, laut Karte, einen kleinen See geben soll. Gegen neun Uhr nehmen wir unser Abendessen im Restaurant ein, auch hier gibt es ein Menü zum Festpreis von 14,00 €. Um den Tag abzurunden, nehmen wir an der Bar anschließend noch einen Schlummertrunk. Sherry haben sie leider nicht, doch der Riccard schmeckt uns auch, wie es übrigens auch das Essen getan hat. Gegen 12 Uhr müssen wir leider gehen, die Bar schließt. Als wir nach draußen, an die frische Luft kommen (nein wir sind nicht voll), hat der Wind der am Abend stark aufgekommen war glücklicherweise aufgehört und es ist angenehm mild, sodass wir uns guter Dinge für den nächsten Tag hinlegen. Gute Nacht.

 

 

Tag 8 22.07. Zuriza - Peña Ezcauri - Zuriza

 

 

Als wir aufwachen, lacht uns die Sonne, von Osten her (woher auch sonst), vom strahlend blauen Himmel entgegen, und da wir heute eh hierbleiben, können wir es uns auch leisten zu trödeln. Wir gehen in aller Ruhe den morgentlichen Geschäften nach und frühstücken erst mal ausgiebig, aus dem Bestand unserer Vorräte. Es gibt einige Dinge in unserem Gepäck, von denen wir nun wissen, dass man sie getrost daheim hätte lassen können. Eine stabilen, wasserdichten Kunstoffbeutel kann ich, mit Hilfe von ein paar Packriemen, zu einen provisorischen Tagesrucksack umfunktionieren, sodass wir für die heutige Tour auf den Gipfel nur leichtes Gepäck haben. Gegen halb elf kommt die Kölnerin an unserem Zelt vorbei und fragt, ob wir unsere Pläne geändert haben, da es ja schon recht spät sei für unseren Ausflug, doch wir scherzen und geben zur Antwort, dass die Sonne noch nicht hoch genug für uns steht. Aber kurz darauf brechen wir dann doch auf. Wir müssen ein kurzes Stück auf dem gestrigen Weg zurückgehen, um in den Weg der zum Gipfel führt zu gelangen. Nach kurzer Suche finden wir den richtigen Einstieg. Natürlich geht es gut bergan, und wenn wir Gestern nur einzelne Schwertlilien gesehen haben, kommen wir heute an Wiesen vorbei, wo sie in Scharen stehen. Bald führt der Weg in den Wald und nimmt sehr schnell an Steigung zu, und wir gehen schön langsam. Mit unseren schweren Rucksäcken wären wir hier nicht hinauf gekommen. Nach ungefähr einer Stunde kommen wir aus dem Waldstück heraus und schauen auf den felsigen, nicht minder steilen Weg, der noch vor uns liegt. Als wir Stück um Stück höher kommen entdecken wir zahlreiche, wunderschöne, seltene Blumen, die uns immer wieder aufhalten, damit wir sie betrachten und fotografieren können. Thomas kann viele von ihnen bestimmen und ist fasziniert von der Artenvielfalt. Weiter oben können wir in der Ferne am Grat noch eine andere Wandergruppe ausmachen, die uns bei ihrem Abstieg aber nicht begegnet. Als wir die Vegetationsgrenze übersteigen, stehen wir plötzlich vor einer trichterförmigen Vertiefung, die ca. 50 Meter hinunter reicht; ganz unten liegt sogar noch etwas Schnee. Nach oben sind es nun nur noch einige Schritte die wir schnell bewältigen. Es gibt einen kleinen Betonsockel, der wohl als Gipfelmarkierung dient, Peña Ezcauri mit 2047 m. Außer uns ist nur noch ein älterer Herr hier. Wir genießen erst einmal das Panorama von hier oben. Die Aussicht reicht bis weit nach Osten in Richtung Ordessa und in nördlicher Richtung sieht man bis nach Frankreich hinüber. Ein paar Ziegen haben uns bemerkt und kommen auf uns zugelaufen, um etwas Eßbares zu erbetteln. Sie sind auch scharf auf salziges und lecken uns die verschwitzten Hände ab. Thomas hat ein paar Erdnüsse dabei und verfüttert sie an die Ziegen. Am Himmel sieht man wieder große Greifvögel ihre Kreise ziehen, wahrscheinlich Adler. Als die Wolken von Frankreich her bedrohlich über die Bergkämme in unsere Richtung drängen, denken wir, dass man schleunigst den Rückweg antreten sollte, um nicht in ein Unwetter zu geraten. Doch der ältere Herr ist erfahrener als wir und beruhigt uns, dass die Wolken dort, für uns hier, keine Gefahr darstellen und das Wetter auch in den nächsten Tagen schön bleiben wird. Er ist schon drei mal durch die gesamten Pyrenäen gewandert, also muss er es wissen. Er beschreibt uns noch ein besonders reizvolles Tal, welches auch ein lohnendes Tagesziel wäre, bevor er sich auf seinen Abstieg macht. Wir entdecken noch ein Pärchen Schwalbenschwänze, die wir unbedingt fotografieren wollen, und so jagen wir eine ganze Weile hinter ihnen her. Der auf der Karte eingezeichnete See ist leider ausgetrocknet, und so beschließen wir wieder hinunter zu steigen. Der Abstieg ist zwar nicht so anstrengend wie der Aufstieg, aber da es über loses Geröll geht, ist es ratsam langsam zu gehen. Wir benötigen einige Zeit um zum Campingplatz zurück zu gelangen. Unsere Kölner wundern sich trotzdem, dass wir schon wieder da sind, also ist unser Tempo doch noch schneller, als wir selbst denken. Bis zum Abendessen verbringen wir die Zeit, Thomas mit einem kleinen Nickerchen und ich schreibe noch ein wenig. Wir wissen, dass das Abendessen erst ab halb neun ausgegeben wird, also gehen wir um acht, damit wir vorher noch einen Aperitif an der Bar schaffen. Nachdem wir gegessen haben gesellen wir uns zu den Kölnern, um uns noch ein wenig zu unterhalten. Erst jetzt stellen wir uns richtig vor, sie heißt Nicolette und ist von Beruf Logopädin und Michael, ihr Mann, ist Kameramann. Sie haben sich noch mit einem weiteren Paar hier in Zuriza verabredet, die jetzt auch mit uns zusammensitzen. Bevor ich richtig nach dem Namen Fragen kann, ist sie aber schon mit ihren Kindern zu Bett gegangen. Ihr Mann heißt Torsten und ist Grundschullehrer. Es gibt hier reichlich viele Lehrer in den Bergen; nummero eins - Thomas, zwei - der Professore in Ochagavia, drei - der Lehrer in der Albergue in Isaba, vier - der spanischstämmige Prof. aus Amerika und jetzt Nummer fünf. Ob das noch so weiter geht? Als die Bar schließt und die Lichter auch draußen ausgehen, sind wir wieder die letzten, schließlich hat man ja einen Ruf zu verlieren.

 

 

Tag 9 23.07. Zuriza – O Sabucar (am Bach)

 

 

Wir wachen so gegen halb neun auf und kommen langsam in die Gänge, doch bevor wir wirklich abmarschbereit sind, vergeht noch eine ganze Weile. Wir decken uns im Supermarkt noch mit Lebensmitteln ein und haben Mühe alles zu verstauen. Nicolette und Michael, die uns heute morgen noch mehrmals über den Weg laufen, müssen immer wieder schmunzeln, als sie feststellen, dass wir immer noch nicht aufgebrochen sind. Kurz bevor wir dann endlich losgehen können, kommt noch eine kurze Unterhaltung mit einem Biker aus Deutschland zustande; es ist nicht zu glauben, er ist Lehrer Nummer sechs. Jetzt aber los. Wir haben heute noch eine lange Tour vor uns, doch bei besten Wetterbedingungen sind wir optimistisch, eine lange

Wegstrecke zu bewältigen. Nach gemächlichem Anstieg über die Landstraße geht es steil bergan zum ersten Refugio auf diesem Wegstück. Aber es ist auch nur ein absolutes Notquartier, denn die Räume sind auch hier stark verunreinigt, also schnell weg hier. Kurz darauf begegnen wir einem Engländer, der sich auch noch orientiert, dann aber mit Kompass zielsicher seinen Weg nimmt, dem wir später folgen. Die rot-weißen Markierungen sind hier nur schlecht gesetzt und äußerst mager verteilt. Wir haben schon Mittagszeit und beschließen, im vermutlich letzten Schatten, zu rasten. Am Himmel kreisen unglaublich viele Greifvögel, doch ohne Fernglas, was auf der nächsten Reise unbedingt mit muss, lässt sich nicht genau sagen, was es für Vögel sind. Später kommen einige Wanderer in entgegengesetzter Richtung an uns vorbei; und während wir noch ruhen, überholt uns eine große Gruppe Jugendlicher von bestimmt 50 Jungen und Mädchen. Als wir weitergehen, sticht die Sonne immer noch mit aller Kraft vom Himmel herab, und wir mühen uns den steilen Weg bergauf. Während der Rast haben wir schon festgelegt was man alles an überflüssigem Gepäck bei der Wiederholung einer solchen Tour weglässt. Aber trotz unserer schweren Rucksäcke und unseres Alters, gegenüber den Jugendlichen, holen wir sie und noch eine andere Gruppe wieder ein bevor wir das Ende des Tales erreichen. Als wir über den Kamm hinweg sind, schauen wir wieder ins nächste Tal. Die Abwechslungen im Gelände sind sehr beeindruckend; die Farbe des Gesteins wechselt von grau auf rot-braune Töne. Beim Abstieg stoßen wir noch einmal mit der Gruppe zusammen und machen gemeinsam Halt an einer Quelle, um frisches Wasser aufzunehmen. Das Wasser schmeckt gut und ist angenehm kühl. Die jugendliche Wandergruppe freut sich besonders über die Wasserstelle, denn ihre Wasserflaschen scheinen schon länger leer zu sein. Es ist früher Abend, so gegen halb sieben, als wir weiter unten einen geeigneten Zeltplatz inmitten eines Schwertlilienfeldes finden. Der Bach fließt noch in der Nähe und nach kurzer Besichtigung des Terrains, beschließen wir unser Zelt aufzuschlagen. Der Platz ist wunderschön, und wir genießen, nachdem wir uns im Bach -ganz schön kalt- gewaschen haben, unser Abendbrot mit einer Flasche Wein in dieser traumhaft schönen Umgebung und gehen heute, ausnahmsweise einmal früh schlafen.

 

 

Tag 10 24.07. O Sabucar(am Bach) – Ibón d' Estanes

 

 

Die Nacht war ganz schön unruhig. Der Wind frischte stark auf, und irgendwann fing es auch ein wenig an zu regnen. Aber das Zelt hat gehalten und als wir heute morgen erwachen und aufstehen ist schon wieder alles ruhig und die Sonne kann am wolkenlosen Himmel aufgehen. Wir packen unsere siebzig Sachen und machen uns auf den weiteren Abstieg. Als wir bis hinunter ins Tal schauen können, sehen wir eine größere Gruppe campieren und wundern uns das wir nicht bemerkt haben wann uns die Jugendlichen wieder überholt haben. Doch Beim Näherkommen sehen wir, dass es eine andere Gruppe Kinder ist, diesmal im Alter von vielleicht 10 – 14 Jahren. Wir überqueren einen kleine Bach und machen erst einmal Rast um zu frühstücken. Unsere Vorräte sind schon geschrumpft, sodass wir rationieren müssen, damit uns noch etwas für den Tag bleibt. Der weitere Weg führt uns wieder aufwärts auch wieder einen Bachlauf entlang, den wir auch noch überqueren müssen. Glücklicherweise gibt es eine intakte Brücke die uns über den Bach bringt, der in einer kleinen Schlucht dahin fließt und stellenweise recht tief zu sein scheint. Aufwärts blickend sehen wir, wo sich unser Weg nach oben schlängelt. Beim Weitergehen sehen wir kleinere Wasserfälle die zum Duschen und Erfrischen einladen, aber sie liegen uns zu weit ab vom Weg. Immer wieder kann man sich an den vielen Bächen, die von den Seiten ins Tal fließen, erfrischen. Als wir am Scheitelpunkt der Anhöhe ankommen, blicken wir in ein Tal mit satten, grünen Wiesen, welche von beiden Seiten mit Bergzügen eingefasst sind. Die linke Seite mit sanft ansteigenden Hügeln, die bis hinauf auf die Gipfel grün sind. Die rechte Seite eher schroff und felsig. Ein Wasserlauf schlängelt sich mit unzählig vielen Windungen durch die sumpfigen, Wiesen des Tals, dessen Ende noch nicht in Sichtweite ist. Laut Karte liegt das Tal auf ungefähr 1600 m und heißt „Aguas Tuertas“, was ich frei mit „Gebogenes Wasser“ übersetze. Nach einigen weiteren Schritten kommen wir an eine Quelle, wo wir unsere Flaschen wieder mit frischem Wasser auffüllen können. Von hier aus kann man jetzt weit in das Tal schauen und in der Ferne weidende Herden erkennen. Als wir näher kommen, sehen wir Rinder- und Pferdeherden, die mit etwas Abstand von einander die Weiden abgrasen. Wir kommen, während wir immer näher auf die Herden zulaufen, immer wieder über zahlreiche Wasserläufe hinweg, die das gesamte Tal durchziehen, und als wir schließlich an den Herden vorbeikommen, teilweise gehen wir auch zwischen ihnen hindurch, werden wir von stattlichen Kühen beäugt, die wachsam auf ihre Kälber achten. Und wir schauen gleichermaßen wachsam, als wir an Stieren und Jungbullen vorbeiziehen, die schon neugierig auf uns zu kommen. Das Panorama im Tal, ob hineinschauend oder zurückblickend ist unbeschreiblich schön, fast schon unwirklich, wie aus einer aufwendigen Computersimulation für eine Filmkulisse. Wir sind wirklich dankbar, so einen Anblick zu erleben und, so verweilen wir immer wieder für den ein oder anderen Augenblick. Doch schließlich ist das Tal zu Ende, und wir müssen noch einen steilen Anstieg nehmen der uns über die Höhen ins nächste Tal bringen soll. Als wir auch diesen Anstieg, über den 1900 m hochgelegenen, kleinen Bergpass, gemeistert haben, stehen wir wieder vor einer tollen Bergkulisse und verschnaufen ein wenig, während wir die neue Aussicht genießen. Nach kurzer Pause, setzten wir unseren Weg fort. Weiter unten erwartet uns der See „Ibón d' Estanes“, der, auch noch auf 1800 m, einige Kilometer von Candanchu entfernt liegt. Beim ersten Anblick beschließen wir, nach dem wir die Wetterlage und andere Risiken abgewägt haben, am See unser Zelt aufzuschlagen und die Nacht hier oben zu verbringen. Natürlich wollen wir ein Bad im See nehmen, was aber wegen der vielen Algen nicht wirklich empfehlenswert ist. Trotzdem gehen wir kurz ins Wasser, was uns nach der schweißtreibenden Wanderung angenehm erfrischt. Danach lassen wir uns an der Sonne trocknen und ruhen ein wenig. Ich habe Stimmen gehört und vorher auch bei unserer Ankunft, noch andere Leute am See gesehen. Darum mache ich mich auf, ein wenig die Umgebung und das weitere Ufer zu erkunden. Man kann den See nicht am Ufer umrunden, da die Felsen an vielen Stellen bis ans Wasser reichen. Eine Bucht weiter von uns haben sich ein paar junge Leute am Strand niedergelassen und wollen anscheinend auch die Nacht hier am See verbringen. Auf meinem Rückweg komme ich an einer toten Schlange vorbei, was bedeutet, dass es hier wahrscheinlich noch mehr von der Sorte geben könnte, also Obacht geben. Die Sonne verschwindet langsam hinter den Wolken und Nebelschwaden schwappen immer wieder kurz über eine Ecke des Sees. Wir bauen unser Zelt auf, wir haben extra so lange gewartet, denn wir sind hier in einem Naturschutzgebiet, wo das Zelten verboten ist. Dann vertilgen wir noch die wenigen Vorräte, die uns noch geblieben sind und freuen uns morgen in Candanchu wieder eine ordentliche Mahlzeit zu bekommen.

 

Tag 11 25.07. Ibón d' Estanes - Candanchu

 

Wir erwachen kurz vor Sonnenaufgang den wir dann aus dem Zelt heraus beobachten. Als die Sonne sich über den Bergen erhebt, taucht sie den See in gleißendes Licht. So möchte man öfters aufwachen. In der Nacht war es ruhig und windstill, und auch jetzt können wir keine anderen Geräusche wahrnehmen, außer dem Geläut der Glocken verschiedener Herden, es ist eine unglaublich angenehme Stimmung. Entweder schlafen die Anderen in der Nachbarschaft noch, oder sind schon aufgebrochen. Unser Zelt schlagen wir schnell ab, damit wir nicht noch im letzten Moment von einem Ranger entdeckt werden. Nachdem wieder alles verstaut ist, begeben wir uns auf den Weg nach Candanchu. Wir müssen erst mal ein Stück aufwärts durch felsige Stücke klettern bevor wir die Markierungen wiederfinden. Mit den gewichtigen Rücksäcken ist die Kraxelei zwar kein Zuckerschlecken, und wir müssen uns ziemlich abmühen. Es macht aber trotzdem riesigen Spass. Nach über einer Stunde haben wir den halben See dann endlich umrundet.

Der Weg führt uns sehr nah an einer Pferdeherde vorbei, die schon seit dem frühen Morgen am See steht und friedlich vor sich hin grast. Obwohl wir bis auf fast Armeslänge an ihnen vorbeigehen, bleiben wir unbehelligt, denn sie widmen sich gerade intensiv der Futteraufnahme. Der Weg führt eine grüne Anhöhe hinauf und bevor der See ganz aus unserem Blickfeld entschwindet schauen wir uns noch einmal um. Diese Eindrücke werden wir so schnell nicht vergessen. Immer wieder kommt man, im laufe eines Tages, an aufgeschichteten Steintürmchen vorbei. Sie dienen auch als Wegmarkierung und sind, wenn genügend Steine aufgestapelt wurden, auch gut zu erkennen. Natürlich legen wir auch ein paar Steine dazu. Langsam bringt uns der Weg bergab. Auch wenn wir mittlerweile an vielen Quellen, Bächen und Wasserläufen vorbeigezogen sind, finde ich es doch immer wieder faszinierend wie sich das Wasser seinen Weg durch Felsen und Landschaft bahnt. An einer der Quellen füllen wir noch einmal unsere Wasservorräte auf. Man kann nie wissen, wann man an die nächste gute Wasserstelle, mit einwandfreiem Wasser kommt. Wegen der vielen Tiere, die hier in den Pyrenäen überall herumlaufen und das Wasser auf natürliche Weise verunreinigen, ist Sorgfalt geboten. Einige Meter weiter unten schauen wir dann in Täler, die sich recht tief und steil in die Berge eingegraben haben. Wir müssen uns immer wieder neu orientieren, da die Markierungen des GR11 hier nur spärlich vorhanden sind. Doch mit Hilfe unserer Karte und unter Einbeziehung des Sonnenstandes gelingt es uns, auf unserem Weg zu bleiben. Wir schlagen weite Bögen, denn der Weg muss vielen kleineren Tälern auf unserem Weg ausweichen. Als wir in den Schatten spendenden Wald kommen, freuen wir uns über die angenehme Kühle. Im Schutz der Bäume geht es dann oft, sehr steil aufwärts. Eigentlich dachten wir, dass wir nach Candanchu absteigen. Dann müssen wir auch immer wieder über dicke Baumstämme, die auf dem Weg liegen, hinübersteigen, was uns ganz schön Mühe macht. Man kann schon von weitem das Rauschen eines Baches hören. Und als wir wieder aus dem Waldstück heraustreten und die Stelle erreichen, an der wir über ihn hinweg müssen, können wir seinen Verlauf, von den schroffen, hohen Bergen bis tief hinunter ins Tal, überblicken. Es muß einer der Quellen des Aragón sein, der hier in den Bergen entspringt.Wir steigen über große Felsbrocken und vorbei an tiefen Gumpen in denen man baden könnte. Lust darauf hätten wir auch, aber wir sind nicht alleine auf diesem Weg und so müssen wir auf diese Erfrischung verzichten und auf die Dusche in der nächsten Herberge warten. Wir müssen nun besonders darauf achten, wohin wir unsere Füße setzten, denn wir queren noch das ein und andere, sehr steile Geröllfeld. Ein falscher Tritt und die Reise ist zu Ende. Doch endlich, nach einem recht anstrengen

 Reisebericht:
Pyrenäen GR11
 

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