Haiti » ReiseberichteKaribisches Sans-Souci: Haiti will Touristen anlocken Karibikstrand ohne Urlauber: Auch Jacmel im Süden Haitis hofft darauf, künftig Touristen anzuziehen und dadurch den Wiederaufbau voranzubringen. (Bild: Smets/dpa/tmn) Von Franz Smets, dpa Cap Haitïén (dpa/tmn) - Dieser Ort hat Symbolkraft: Die Zitadelle bei Cap Haitïén ist von weither sichtbar. Auf dem 910 Meter hohen Gipfel des Berges Bonnet a L'Eveque wurde sie mit meterdicken Mauern errichtet.
Hunderte Kanonen sind über das grüne Land hinweg auf die Küste gerichtet. Sie sollten einst verhindern, dass die Franzosen zurückkommen und versuchen könnten, ihre 1804 unabhängig gewordene ehemalige Kolonie zurückzuerobern. Das geschah jedoch nie, und so wurde keine einzige der reich verzierten Kanonen jemals abgefeuert.
An den Wochenenden kommen regelmäßig Hunderte von Nachfahren der aus Afrika stammenden Sklaven hierher, um den steilen Anstieg vorbei an der Ruine des Schlosses Sans-Souci auf sich zu nehmen. Bei einem Picknick genießen sie den Blick auf die Berge der Umgebung und vor allem auf das in Haiti selten gewordene Grün der Mangowälder und der Bananen- und Zuckerrohrplantagen. Die Festung und die beeindruckenden Schlossruinen wurden einst unter dem selbst ernannten König Henry Christophe I. errichtet. Seit 1982 gehören sie zum Unesco-Welterbe.
 Bereits im 19. Jahrhundert von einem Erdbeben zerstört: Die Ruinen von Schloss Sans-Souci finden Urlauber im Norden Haitis. (Smets/dpa/tmn) Bereits im Dezember 2009 war der frühere US-Präsident und UN-Koordinator für Haiti, Bill Clinton, hier unterwegs, um gemeinsam mit Unternehmern aus den USA touristische Projekte anzustoßen. «Der Tourismus soll Initialzündung für die weitere Entwicklung im Norden Haitis werden», sagt Broder Schütt, in sechster Generation deutscher Honorarkonsul in Cap Haitïén. Dorthin, fernab der im Januar von den Erdbeben zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince, kommen nun immer mehr Menschen, die nach Möglichkeiten suchen, den Tourismus anzukurbeln.
Doch vorläufig fehlt es an fast allem. Die Landstraße, die von Port-au-Prince herführt, ist über weite Strecken schwer befahrbar. An mehreren Stellen ist sie weggespült worden - Reisende müssen Umwege über die Berge oder durch Flussbetten in Kauf nehmen. Dass neben den wenigen Individualtouristen auch Gäste deutscher Reiseveranstalter hierher kommen, ist aber auch aus anderen Gründen derzeit nicht vorstellbar. Solange es die seit Jahren bestehende Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Haiti gibt, werde kein Anbieter das Land in sein Programm nehmen, heißt es beim Branchenverband DRV in Berlin.
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