Island » Reiseberichte«Die heiße Erde riechen»: Vulkantourismus auf Island Die Eruption als Spektakel: Als Anfang April der Vulkan am Fimmvörduháls ausbrach, waren neben Wissenschaftlern auch Touristen zur Stelle. (Bild: Kolbeins/EPA/dpa/tmn) Von Thomas Borchert, dpa Ein Vulkan auf Island legt tagelang den Flugverkehr lahm. Ganz Europa ärgert sich darüber. Ganz Europa? Nein, ein kleines Inselvolk im hohen Norden ist manchmal gut auf seine Vulkane und ihre Ausbrüche zu sprechen - denn Eyjafjallajökull & Co. locken auch Touristen an.
Reykjavik (dpa/tmn) - «Ganz Island ist glücklich gewesen über diesen herrlichen Vulkanausbruch. Wir haben gehofft, dass er bis zum Sommer für die Touristen hält», sagt Andri Snär Magnason beim Schwatz im Reykjaviker «Café Hresso». Der Schriftsteller ist selbst aus der Hauptstadt zum 130 Kilometer entfernten Ausflugsgebiet Fimmvörduháls gefahren und hat das Schauspiel mit sprudelnder Lava und faszinierten Zuschauern gefilmt.
Aber das Schauspiel hat eben doch nicht gehalten. Einige Wochen nach dem, was die Isländer ironisch «Touristen-Eruption» nennen, kündigt sich schon kurz hinter Reykjavik ein weniger herrliches Bild vom Vulkanausbruch an: Kegelförmig breitet sich eine riesige schwarzgraue Wolke am Himmel aus und färbt ihn dunkel. Was mit dem ersten Vulkanausbruch am Fimmvörduháls zur großen Reiseattraktion werden sollte, verwandelte sich mit dem zweiten Ausbruch unter dem Gletscher Eyjafjallajökull in eine Bedrohung für den Tourismus.
 Grollen im Hintergrund: Als der Eyjafjallajökull ausbrach, war es vorbei mit der himmlischen Stille im Süden Islands. (Bild: S.Olafs/EPA/dpa/tmn) «Wir können nur hoffen, dass dieser Ausbruch jetzt möglichst schnell wieder aufhört, damit der Flugtransport für unsere Besucher sicher ist», sagt Johan Frimannsson vor seinem kleinen «Hotel Anna», das nur sechs Kilometer vom Gletschervulkan entfernt liegt. Hier ist es himmlisch still, wenn nicht gerade der Vulkan grollend auf sich aufmerksam macht. Frimannssons Gäste sind in der Regel Durchreisende, die Island auf der 1200 Kilometer langen Küsten-Ringstraße umrunden.
Sollte im Sommer Schluss sein mit der Eruption unter dem Eyjafjallajökull, so gibt es in der Nachbarschaft Alternativen - aber ohne den «Kick» sprühender Lavamassen. Auf den Westmännerinseln vor der Küste lässt sich noch 37 Jahre nach dem letzten Vulkanausbruch warmes Lavagestein befühlen. Hier wurde der Hauptort Heimaey im Januar 1973 mit Asche förmlich zugedeckt. Er musste in größter Eile evakuiert werden, die Insel vergrößerte sich damals um ein Drittel. Heute erwartet Bewohner, Besucher und die normalerweise alles übertönenden Papageitaucher jedes Jahr am ersten August-Wochenende ein «Vulkanausbruch» besonderer Art - gut 10 000 junge Leute strömen dann zu Islands größtem und wildesten Rockfestival auf die Insel.
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